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Comenius Regio


Was ist „COMENIUS-Regio“ ?

 

Die Europäische Union rief im Jahr 2007 das Programm für Lebenslanges Lernen ins Leben. Das Ziel dieses Programms besteht darin, durch lebenslanges Lernen dazu beizutragen, dass sich die Europäische Union zu einer fortschrittlich wissensbasierten Gesellschaft mit nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung, mehr und besseren Arbeitsplätzen und größerem sozialen Zusammenhalt entwickelt.

COMENIUS-Regio ist Teil des EU-Programms für lebenslanges Lernen.

Dieses Programm wurde 2009 eingeführt, mit dem Ziel, die europäische Zusammenarbeit im schulischen Bereich auf der Ebene von Regionen und Kommunen zu fördern. Hierbei schließen Schulbehörden, Verwaltungen, Schulen und sonstige Einrichtungen Partnerschaften mit anderen europäischen Regionen. Die Partnerschaft bezieht sich auf Themen von gemeinsamen Interesse und den Austausch von Erfahrungen und zielt ab auf die Entwicklung nachhaltiger Strukturen der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Regionen.

Das Projekt wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert und die Förderdauer beträgt zwei Jahre.

 

 

 

 

Unsere Partnerstadt Kolobrzeg

Kołobrzeg (deutsch Kolberg) liegt zwischen Gdansk (Danzig) und Szczecin (Stettin), gut 41 km von Koszalin (Köslin)  entfernt, an der polnischen Ostseeküste und an der Mündung des Flusses Persante. Die Stadtgemeinde gehört zur Woiwodschaft Westpommern und umfasst eine Fläche von 25,7 km. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Kołobrzeg von der Ostsee lebt. So sind der Fremdenverkehr und die Fischereiwirtschaft die stärksten Wirtschaftszweige dieser nahezu 50.000 Einwohner zählenden Stadt. Neben dem klassischen Tourismus hat sich Kołobrzeg als Sol- und Moor-Kurbad mit zahlreichen Sanatorien entlang der Küste einen Namen gemacht. 

 

Kołobrzeg liegt an wichtigen polnischen Fernstraßen und ist durch die Bahn an Szczecin (Stettin), Koszalin, (Köslin), Gdansk (Danzig) und Szczecinek (Neustettin) angebunden. Fähren verkehren zur dänischen Insel Bornholm. Kołobrzeg ist international ausgerichtet und pflegt Partnerschaften mit Städten in Deutschland, Belgien, Finnland, Dänemark, Schweden, Italien und der Ukraine.

 

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Das Programm der Partnerschaft

Zusammenfassung
Climate Change: European Students Take Steps To Preserve Their Environment

Projektziele:

Ø Den weltweit voranschreitenden Klimawechsel auf europäischer Ebene für junge Menschen regional sichtbar machen.

Ø In Zusammenarbeit mit der Partnerregion Maßnahmen entwickeln, die den lokalen und regionalen  Klimaveränderungen entgegenwirken und die für junge Menschen durchführbar sind.

Ø Es sollen Strategien entwickelt werden, die die gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse und durchgeführten Maßnahmen weiterverfolgen lassen, um die Zusammenarbeit zwischen den Regionen langfristig zu sichern.

Themen/Arbeitsprogramm:

Ø In den Schulen wird der Klimawandel und seine Ursachen in den oberen Jahrgangsstufen unterrichtlich behandelt (CO2, Verkehr, Energieverbrauch, Waldsterben, Sturmschäden, Veränderung der Küste, etc.) und dokumentiert.

Ø Die Veränderung an relevanten landschaftsprägenden Elementen (Küste: Polen // Wald: Deutschland) wird regional aufgearbeitet: Zeitungsartikel, Bildvergleich, Kleinklimadiagramme, Interviews, etc. und als Dokumentation zwischen den Partnerländern ausgetauscht.

Ø Geplant ist eine gemeinsame Pflanzaktion für Hecken mit den Partnerorganisationen und den beiden Schulen auf städtischem Gelände für eine dauerhafte Verbesserung des lokalen Ökosystems (im Rahmen der Mobilitäten).

Ø Die Schüler erstellen einen Energiesparführer für ihre und andere Schulen in Absprache mit der Partnerschule.

Ø Zwischen beiden Partnerschulen wird das Konzept eines Schulgartens abgestimmt, der nach Umwelt- und Gesundheitsgesichtspunkten bei den Schulen angelegt wird.

Ø In beiden Partnerstädten erstellen Schüler nach gemeinsam aufgestellten Überlegungen Naturkunstprodukte, die in der Region ausgestellt, wenn möglich zwischen den Regionen ausgetauscht werden. In jedem Falle aber als Dokumente der Partnerregion zugänglich gemacht werden.

Aufgabenverteilung: Im Zentrum stehen die Partnerschulen mit ihren Schülern. Mit der Hilfe der Lehrer und der Partnerorganisationen in den beiden Ländern werden die Themen umgesetzt. Die Lokalen Organisationen stellen Untersuchungsgeräte, Kontakte zu Firmen, Kenntnisse über ökologische regionale Besonderheiten, Unterstützung im Unterricht, Kontakte zur Kommune, etc. zur Verfügung und bringen sie in den Unterricht ein. Die Schüler/Lehrer haben die Aufgabe, mit der Unterstützung der Organisationen das Arbeitsprogramm zu realisieren: Projektunterricht, Ausstellungen, Workshops, Unterricht in den Fächern Biologie, Geographie, Physik/Chemie, Haushaltslehre, Kunst, Informatik. Die Partnerregion greift die Ergebnisse auf, sorgt für ihre Verbreitung, stellt Arbeits- und Ausstellungsflächen zur Verfügung, koordiniert und sorgt für den Kontakt zur anderen Partnerregion. Die teilnehmenden Schulen in beiden Ländern und die Lokalen Organisationen bilden ein Informationsnetzwerk, um ihre Prozesse untereinander abzustimmen. Die Kommunikation erfolgt über email-Kontakte und den organisierten Austausch von Produkten. Durch das in den Schulen umzusetzende Arbeitsprogramm kommt den Schulen eine besondere Bedeutung zu. Deshalb sind regelmäßige Treffen zwischen dem Schulkoordinator und der Partner Organisation erforderlich. Die Schulkoordinatoren selbst (Polen und Deutschland) bilden ein enges Netzwerk, um die einzelnen Schritte im Arbeitsprogramm abzustimmen. Die Partner Organisation stellt in ihrem Rahmen und nach Prüfung der Bedingungen das Geld, den Boden und die Logistik zur Verfügung. Hohe Bedeutung kommt den Mobilitätsmaßnahmen zu, in denen neben den Aktionen auch die Abstimmungsprozesse koordiniert werden müssen.

Wirkung: In beiden Ländern ist eine deutlich erhöhte Motivation zur Zusammenarbeit bei allen Akteuren zu erwarten. Das Verständnis für die eigene Region mit spezifischen Problemen wird erweitert durch die Tatsache, dass eine weitere Region innerhalb Europas zwar andersartige Probleme hat. Die Ursachen (Klimawechsel) aber dieselben sind. Die Notwendigkeit zur internationalen Zusammenarbeit (z. B. gemeinsame Pflanzaktionen) wird konkretisiert durch den Austausch von Ergebnissen, gemeinsames Planen und Handeln. Alle angestrebten Schritte im Arbeitsprogramm sind auf Nachhaltigkeit angelegt. Daraus folgt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Partnerschulen über das Projekt hinaus erhalten bleibt. Die Implementierung der Projektergebnisse in die Kontakte mit den Partnerstädten der Stadt Schwelm und der Stadt Kolobrzeg erweitert den Projektrahmen: Es können weitere Jugendliche in ihren  schulischen Bildungssystemen in die europäische Dimension der Projeketthematik eingebunden werden.

Evaluation: Mittels einer Checkliste wird von der Partner Region die Fertigstellung der Schritte im Arbeitsprogramm geprüft. Die Fragen der Motivation der Teilnehmer, die Arbeitsbelastung, die Einschätzung des persönlichen Gewinns, die Einschätzung des Gewinns für die Organisation wird durch einen mit dem Partnerland gemeinsam erstellten Fragebogen ermittelt. Innerhalb der Regionen werden auch die Rückmeldungen durch Presseberichte, Elternbeiträge und Rückmeldungen nicht direkt am Projekt beteiligter Personen ausgewertet.

Verbreitung: Regional werden die Arbeitsergebnisse über die lokale Presse, die lokalen Rundfunksender und das lokale Fernsehen verbreitet. Die Dokumentationen werden innerhalb der Schulen, der Partnerorganisationen und als „Best Practice“ über die Partner Region weiteren Institutionen (z. B. Schulen) zur Verfügung gestellt. Ausstellungen auf städtischer Ebene vervollständigen die regionale Verbreitung. Die gesamte Arbeit des Projektes und seine Ergebnisse werden in den Kontakt mit den anderen europäischen Partnerstädten der Stadt Schwelm und der Stadt Kolobrzeg eingebracht und Thema bei zukünftigen Treffen sein. Die Ergebnisse der Partnerschaft werden in die regionale Landschaftsplanung eingebracht, mit dem Ziel, in besonderem Maße die Pflanzungen innerhalb des Projektes zu erhalten und zu erweitern. Die Energieversorgungsunternehmen werden über die den Energiesparführer informiert und zur Mitarbeit angeregt. Die Verbraucherzentrale nimmt die Ergebnisse der Schulgartenaktion auf. Örtliche und überörtliche Künstlerorganisationen bringen sich in die Naturkunst ein

Nachhaltigkeit: Der Datenaustausch über regionale Veränderungen (Wald/Küste) wird jährlich fester Bestandteil des Schulprogramms beider Schulen. Die Ergebnisse der Pflanzaktionen, die Entwicklung des Schulgartens und die Fortschreibung des Energiesparführers wird sowohl für die Schulen nachhaltiger Ergebnisaustausch als auch für die Partner Region bedeutsam für ihre Schul- und regionale Entwicklungsplanung. Die Naturkunstausstellung sollte fester Bestandteil im Jahreskalender der beiden Partnerstädte werden. Die Beteiligung kann über die Schulen hinaus ausgedehnt werden. Die Öffnung der Schulen zu Lokalen Organisationen sollte fester Bestandteil des Curriculums werden.

 

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Die regionalen Partner

In Schwelm:

Stadt Schwelm - Fachbereich Familie und Bildung

 
Gustav-Heinemann-Schule

 
Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz

 
Biologische Station Ennepetal

 

In Kolobrzeg:

Stadt Kolobrzeg

 
Zespol Szkol Nr. 2

 
Energieversorger MEC

 

 

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Geplante Abwicklung

Bestandteil des Projektes waren neben den Aktivitäten in der jeweiligen Partnerregion auch die gegenseitigen Besuche der Partnerstädte mit den Partnern.

Folgende Planung wurde abgestimmt:

Herbst 2009 - Besuch der Schwelmer Gruppe in Kolberg

Frühjahr 2010 - Besuch der Kolberger Gruppe in Schwelm

Herbst 2010 - Besuch der Kolberger Gruppe in Schwelm

Frükjahr 2011 - Besuch der Schwelmer Gruppe in Kolberg

Die Partnerregionen haben jeweils in ihrem Ort die Besuche vorbereitet und entsprechende Aktivitäten im Rahmen des Comenius Projektes vorbereitet und dann gemeinsam mit den Gästen durchgeführt.

 

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1. Besuch in Kolberg, 01.11. - 06.11.2009

 

Von Orkanen und Kraftwerken,  Windrädern und Baumschulen

Schwelm und Kolberg sind beim Klimawandel „Comenius-Regio-Partner“

 

Der Klimawandel macht nicht an Ländergrenzen halt; seine Auswirkungen können sich – je nach Region – unterschiedlich darstellen. In Westeuropa und damit auch in Schwelm zerstören Orkane wie „Kyrill“ riesige Waldflächen. An der polnischen Ostseeküste wiederum reißen gewaltige Stürme, die in immer kürzeren Abständen aufeinanderfolgen, inzwischen beträchtliche Teile der Küsten fort. Dank der Europäische Union und ihres in dieser Form zum erstenmal aufgelegten Programms „COMENIUS-REGIO-PARTNER“ hat sich jetzt eine Schwelmer Delegation im polnischen Kolberg (Kolobrzeg) von den Schäden vor Ort ein Bild gemacht und dabei von vielen beeindruckenden Umweltmaßnahmen gehört, die unsere östlichen Nachbarn auf den Weg gebracht haben. Intensiv tauschten sich Schwelmer und Kolberger Schüler und Lehrer sowie Vertreter von Schulverwaltungen und  Umweltverbänden aus.

 

Kurz vor dem Eintreffen der Schwelmer hatte ein Orkan große Teile des Kolberger Strandes zerstört. Viel Sand war ins Meer gespült worden,Treppenaufgänge drohten einzustürzen: für eine ausgewiesene Kurstadt (Salz, Moor-, Solebad) eine mittlere Katastrophe. Die tiefgreifenden Schäden waren unübersehbar und wurden von den deutschen und ihren polnischen Partner-Schülern gemeinsam untersucht. Der Kolberger Küstenschutz lässt keinen Zweifel daran, dass man nicht mehr mit einem Rückgang schwerer Stürme rechnet. Man geht daher neue Wege, indem man durch vorgelagerte künstliche Riffe die Kraft des Wassers vor der Küste zu brechen versucht und zudem Teile des Strandes mit Beton sichern wird.

 

Umweltschutz in Kolberg vollzieht sich auf vielen Feldern. Dem städtischen Umweltamt zufolge ist Asbest auf den Dächern vieler Hochhausbauten ein zentrales Problem. Privatleute seien mit der Sanierung finanziell überfordert, so dass man auf Mittel der EU hoffe. Hochwasser führt zum Rückstau im Fluss Persante und gefährdet Vogelbrutgebiete. Organische Abfälle werden kompostiert. Eine umfassende Mülltrennung steht kurz vor der Einführung. Eine neue Kläranlage schützt Fluss und Meer vor Schadstoffen. Kinder werden schon in den Kindergärten und Schulen zum angemessenen Umweltverhalten angehalten. Und beim örtlichen Energieversorger MEC erfuhren die Schwelmer, wie ein modernes Fernwärmekraftwerk funktioniert. Im Windpark Tymien machten sie sich ein Bild vom großen Engagement der polnischen Partner für dieses Form der Energiegewinnung.

 

Die Partnerschule arbeitet in mehreren Projekten mit Ländern des baltischen Raums zusammen: hochinteressante Projekte, wie die Schwelmer befanden. So werden z.B. Moosbällchen auch aus Polen nach Finnland geschickt, wo ein Unternehmen die Schadstoffbelastung der Pflanzen aus verschiedenen Ländern ermittelt.

 

Mitten im Wald wurde die Gruppe an einem übrigens bitterkalten Tag von den Forstfachkräften am offenen Feuer begrüßt. Um die Gäste erst einmal wieder warm zu bekommen, wurden Krakauer Würstchen auf Stöcke gespießt und gebraten. Dazu gab’s heißen Kaffee und dann folgte eine überaus beeindruckende Führung

durch die dortige Baumschule mit ihren Rotbuchen, Haselnussbäumen und Erlen. Die riesigen Anlagen müssen mit der Hand ohne Einsatz von Chemikalien vom Unkraut befreit werden. Vor Ort nahm man einige Bäume als Gastgeschenk mit und pflanzte sie gemeinsam am nächsten Tag auf einem Kolberger Friedhof.

 

Dieser vor gut 25 Jahren angelegte Friedhof spiegelt wider, wie sehr die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges Land und Leute geprägt haben. Ein großes Denkmal ist den polnischen und den russischen Toten gewidmet. Ein eigenes Gräberfeld gehört den Polen, die nach Sibirien verschleppt worden waren. Dieses Terrain werden nun die von den deutschen und polnischen Schülern gepflanzten Bäume beschützend abschließen. Es war zu hören, dass seit ein paar Jahren auch auf diesem Friedhof deutsche Jugendliche während des Sommers bei der Grabpflege helfen.

 

Jedem größeren Fest geht eine Messe auf diesem Friedhof voraus: zum Zeichen dafür, dass die Toten immer unter den Lebenden sein werden und dafür, dass die Lebenden wissen, wohin ihr Weg sie auch einmal führen wird. Überhaupt hatten die Schwelmer schon kurz nach dem anderthalb stündigen Flug von Dortmund nach Danzig über die Bedeutung des Feiertages „Allerheiligen“ in  Polen gestaunt. Denn während der gut vierstündigen Busfahrt von Danzig nach Kolberg passierten sie mehrere Friedhöfe, die mit ihren hellen Herbstblumen und Grablichtern weit in den dunklen Abendhimmel leuchteten. Und immer wieder strömten Hunderte von Menschen zu den Kirchen oder den Grabstätten. An Allerheiligen, so lernte man, besucht man in Polen die Familie, rückt zusammen, lebt Gemeinschaft.

 

Die Schwelmer waren in ein dicht gewobenes Besuchs- und Veranstaltungsprogramm eingebettet. Zentraler Punkt war stets die Partnerschule Zespol Skol Nr. 2 gleich neben dem Hotel, in dem man wohnte. Hierin kehrte man nach den Gesprächen über die Umwelt immer wieder zurück, um in Lektionen das Erfahrene aufzubereiten. Die Schüler schrieben in Polnisch, Deutsch und Englisch Erfahrungsberichte. Hoch interessant war zudem eine Einführung in das polnische Schulsystem, wo die Kinder bis zum Alter von 16 Jahren auf dem Gymnasium zusammen lernen. Wer eine höhere Schulausbildung anstrebt, wechselt dann auf das Lyzeum. An der Zespol Skol Nr. 2. lernen gut 400 Schüler bei 44 Lehrerinnen und Lehrern – zu viel für die Gebäudekapazitäten, so dass umschichtig vormittags und nachmittags unterrichtet wird. Die beste Note ist die 6, die schlechteste die 1. Ganz offensichtlich spielen Schulvergleiche oder Wettkämpfe in sportlichen oder anderen Disziplinen in Polen eine große Rolle – das verdeutlichte die Anzahl der Diplome und Pokale in der Schule. 

 

Staunen und Ehrfurcht: Anders lassen sich die Gefühle kaum beschreiben, die die Schwelmer beim Besuch des Kolberger Doms ergriffen. Man konnte nur erahnen, unter welchen Opfern die Bürger dieses Glanzstück der Backsteingotik nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut haben. Wie im Stadtmuseum und auch im Waffenmuseum zu hören war, muss um Kolberg ein ungeheurer Häuserkampf getobt haben. Bei Kriegsende waren die Einwohner geflohen und 90 Prozent der Bausubstanz zerstört. Neben dem wieder aufgebauten Dom sind es das Rathaus im neugotischen Stil und der Leuchtturm, die zu Kolbergs Sehenswürdigkeiten gehören. Immer wieder war in dieser Stadt, die einst durch Salzgewinnung und Fischhandel berühmt geworden war, die herausragende Rolle der katholische Kirche in Polen zu spüren.

 

Die Schwelmer waren äußerst freundschaftlich aufgenommen worden. Ein Abendessen mit dem Bürgermeister, mit der Direktorin der Schule und Vertretern der Behörden stand ebenso auf dem Programm wie ein Besuch der Schule für Umwelt- und Seefahrttechnik.

 

Die Fülle der Begegnungen und des Wissensaustausches zum Thema Klimawandel und Umwelt war enorm. Kein Wunder, dass die Teilnehmer nach fünf Tagen glaubten, schon 14 Tage in Kolberg zu sein. Aus den gemeinsam gewonnenen Erfahrungen werden auch gemeinsame Projekte zwischen den Schulen und Umweltverbänden erwachsen. Im März und im Herbst 2010 werden die polnischen Partner Schwelm besuchen; und die Schwelmer fliegen noch einmal im März 2011 nach Kolberg. Sehnsucht spüren die Schwelmer schon jetzt, so unvergesslich waren diese Tage.

 

Peter Suck (Ltg.), die Lehrerinnen Bärbel Brockmann und Henriette Olbrich und die Schüler Niklas Büttner, Dominik Zogakis, Philipp Föllmer und Meryem Malek (alle Gustav-Heinemann-Schule), Dieter Lalic und Margit Passehl (Schulverwaltung), Elke Zach-Heuer (Biologische Station), Sabine Mester-Schelper (AGU) und Heike Rudolph (Presse) sagen „Dziękuję!“ und „Do widzenia!“ (Danke und auf Wiedersehen!).

 

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2. Besuch in Schwelm 03. - 08.04.2010

Bäume pflanzen, Salzelektrolyse und Raufaserherstellung mit Rücksicht auf Natur:

Kolberger Partner gewannen tiefe Eindrücke von Umweltschutzmaßnahmen in Schwelm 

 

 

Nachdem eine Schwelmer Delegation im November vergangenen Jahres die polnische Stadt Kolberg besucht hatte, fand jetzt der Gegenbesuch in Schwelm statt. Im EU-COMENIUS-Regio-Projekt arbeiten die Gustav-Heinemann-Hauptschule und die Zespol Szkol Nr. 2 zusammen. Lehrer, Schüler, Schulamtsmitarbeiter und Vertreter von Umwelteinrichtungen tauschen sich zum Thema „Klimawandel in Europa“ aus.

 

Zunächst einmal lernten die Kolberger Partner die Gustav-Heinemann-Hauptschule kennen. Die Chemie- und Biologielehrerinnen Bärbel Brockmann und Henriette Wiewel-Olbrich informierten zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern über Maßnahmen zur Energieeinsparung im Schulgebäude. Auf großes Interesse stießen auch der Schulgarten und die Photovoltaikanlage auf dem Schuldach. Schließlich stellten die beiden Lehrerinnen noch Schülerarbeiten zum Thema „Klimawandel“ vor.

 

Ebenfalls in der Schule verfolgten die Gäste gemeinsam mit allen Schülern eine Multivision des BUND über „Klima & Energie“, die von der AVU und der Stadtsparkasse Schwelm unterstützt wurde. Das faszinierende Medienprojekt informierte über den Klimawandel als Folge der Nutzung fossiler Energieträger.

 

Beim herzlichen Empfang befragten Vertreter der Fraktionen und die stellvertretenden Bürgermeister/innen die Gäste nach Kolberger Umweltschutz-Maßnahmen und wollten speziell Näheres über das Engagement der Jugend erfahren. Zentrales Thema dieses Vormittags war die mehrere Millionen € teure, im Jahr 2007 abgeschlossene Asbestsanierung der Realschule. Mit Freude trugen sich die Gäste an der Seite von Bürgermeister Jochen Stobbe ins Gästebuch der Stadt Schwelm ein.

 

Natur der besonderen Art umgab die Gäste beim Besuch der Ennepetaler Kluterthöhle. Und in der Biologischen Station erläuterten Dirk Janzen und Elke Zach-Heuer die vielfältigen Aufgaben der Einrichtung, die viel Kraft investiert, um Kinder und Erwachsene an einen behutsamen Umgang mit der Natur zu gewöhnen.

 

Beim Raufaser-Weltmarktführer „Erfurt & Sohn“ nahmen Hans Weihs (Personalleiter), Stefanie Marschallik (Personalabteilung) und Papiertechnologe Reiner Kasterke die Gäste mit auf einen beeindruckenden Rundgang durch das Werk. Doch es ging nicht allein um die Produktion von Raufaser. Vielmehr rückte der geschlossene Energiekreislauf des Unternehmens in den Mittelpunkt des internationalen Besuches. Viele, viele Fragen wurden gestellt: Woher kommt das Altpapier und: Ist Altpapier noch leicht zu haben oder wird es schon ein kostbares Gut? Werden Wälder, deren Holz man nutzt, wieder aufgeforstet? Mit großer Freude vernahmen die Gäste, dass „Erfurt“ auch im polnischen Łódź eine Niederlassung unterhält.

 

Die Kolberger Partner waren begeistert von der aufgeschlossenen und würdevollen Aufnahme und freuten sich insbesondere, von Wilhelm Erfurt, Ehrenbürger der Stadt Schwelm, persönlich begrüßt zu werden. „Unsere Papierfabrik wurde 1827 im Grüngürtel gegründet, weit und breit stand kein Haus. Das ist eine Verpflichtung, den Umweltschutzgedanken ganz hoch anzusetzen“. Das gelte für alle Güter, mit denen man arbeite. So entnehme man der Wupper möglichst wenig Wasser, bereite es immer wieder auf und reinige es in einer eigenen Kläranlage vor. Die benötigte Energie liefere neuerdings ein eigenes Braunkohlekraftwerk. Auch die Luft dürfe nicht belastet werden. „Wir bemühen uns sehr, eine nachhaltig arbeitende und saubere Papierfabrik zu sein“, so der „Senior“.

 

Eloquent und beschlagen berichtete die stellvertretende Landrätin Sabine Kelm-Schmidt beim Besuch der EN-Verwaltung über die Leistungen von Einrichtungen, die im Ennepe-Ruhr-Kreis die Umwelt schützen. Das fängt bei der Bürger-Solar-Anlage auf dem Dach des Kreishauses an, geht über Photovoltaik-Anlagen in Schulen des Kreises und das Blockheizkraftwerk in der Kreissporthalle Ennepetal bis zum Erdgas-Auto als Dienstwagen. Erwähnt wurden zudem die Holzhackschnitzelheizungen in der Schule Hiddinghausen und im Berufskolleg Ennepetal. Außerdem ist die AVU als regionaler Energieversorger bei vielen Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Reduzierung des CO2-Austoßes mit im Boot.

 

Sabine Kelm-Schmidt: „Der Missbrauch unserer natürlichen Umwelt macht sich bekanntlich oft erst in Jahrzehnten bemerkbar, deshalb muss die Umweltbildung früh ansetzen“. Gerade von den Schulen seien in den letzten Jahren im Ennepe-Ruhr-Kreis entscheidende Impulse ausgegangen.

 

Am Gespräch nahm auch Schulrat Wilfried Flader teil, der seine vielfältigen Aufgaben skizzierte und sich sehr freute, mit Romuald Kociuba seinen Amtskollegen aus Kolberg begrüßen zu können. 

 

Dass man heutzutage nicht mehr auf Chlor in Bädern angewiesen ist, verblüffte die Kolberger Partner, die sich mit großem Fachinteresse die Arbeitsweise der Salzelektrolyse als Desinfektionsmittel für das Wasser des Schwelmer Hallenbades erläutern ließen – bekanntlich ein Erfolgsmodell.

 

Tuchfühlung mit der Natur fand am „Tannenbaum“ in Schwelm statt, wo man gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz und der Biologischen Station Bäume pflanzte. Wichtige Unterstützung gab es hier von den Lehrerinnen, Lehrern und Schülern der Gustav-Heinemann-Hauptschule, die bekanntlich mit ihrer Garten- und Umwelt AG schon seit Jahren in Schwelms Natur aktiv sind.

 

Kein Besuch im Kulturhauptstadtjahr ohne Stippvisite in das Ruhrgebiet. Die Geschichte dieses Ballungsraumes haben Deutsche und Einwanderer aus Polen und anderen Ländern gemeinsam geschrieben. Die „Zeche Zollverein“ wurde gemeinsam „erlebt“ und nicht wenigen Delegationsteilnehmern standen die Tränen in den Augen, als der Film „Ruhrgebiet 360 Grad“ das Entstehen, Blühen und Vergehen der großen Kohle-Zeit nachvollzog, aber auch das zweite Leben des Reviers als Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturregion vor Augen führte.

 

Schwelmer Kultur genossen die Kolberger Partner beim Besuch von Schloss Martfeld und beim geführten Stadtrundgang. Im Chopin-Jahr interessierte natürlich auch das Ibach-Haus, und als die Partner hörten, dass auch Max Reger auf „Ibach“ spielte, war die Freude groß, zumal Kolberg in diesem Jahr ein Max-Reger-Festival ausrichtet. Als Gast der Stadtsparkasse warf man einen interessierten Blick auf Schwelms Geschichte von 1722.

 

Zweimal hat man sich nun getroffen. Der Reiz der Begegnung zwischen Kolberg und Schwelm besteht darin, dass man vor dem Hintergrund der großen weltweiten Klimaveränderungen regionale und lokale Lösungen erarbeitet, die sehr effektiv sind und die die Partner untereinander umsetzen können. Wie ein Versprechen auf die Zukunft wirkt es da, dass die gewonnenen Erkenntnisse durch die Jüngeren aufgenommen und weiterentwickelt werden. 

 

Bewegend an dieser Begegnung ist auch das menschliche Miteinander. Das private Gespräch beim gemeinsamen Abendessen, der Austausch über allgemeine Erfahrungen. Als Bürgermeister Jochen Stobbe die Gruppe verabschiedete und jedem Gast einen Schwelm-Sticker ans Revers heftete, fiel man sich noch einmal in die Arme. Schon freuen sich die Schwelmer, die Kolberger Partner im Oktober wieder vor Ort begrüßen zu dürfen, bevor sie selber das „Umweltprogramm über Grenzen“ mit einem letzten Gegenbesuch im März 2011 abrunden und neue Erkenntnisse gewinnen werden. 

 

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3. Besuch in Schwelm 26.09. - 01.10.2010

Wie sauber ist die Schwelme? „Land-Art“ am Tannenbaum“

COMENIUS-Regio: Drittes Schwelm-Kolberger „Klimagespräch“

 

Das Klima wandelt sich, und vielgestaltig sind die Wege, auf denen Menschen diesen Veränderungen wirksam zu begegnen versuchen. Im COMENIUS-Regio-Programm der Europäischen Union sind die Städte Kolberg (Polen) und Schwelm enge Partner. Nun fand in Schwelm die dritte von vier Begegnungen statt.

 

Das Programm war straff und sah neben einem Empfang im Rathaus, wo Bürgermeister Jochen Stobbe die Gäste herzlich begrüßte, Arbeitsgespräche in der Gustav-Heinemann-Hauptschule mit den zentralen Themen „Energieeinsparung“ und „Schulgarten“ vor.

 

Gleich an zwei Tagen wurde in der Natur gearbeitet. Michael Treimer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz und Mitglied der Schwelmer Delegation, bestimmte gemeinsam mit den Teilnehmern an der „Schinkenbrücke“ im Martfelder Wald die Gewässergüte der Schwelme. Bei strömendem Regen entnahmen die Gruppen dem Flüsschen Proben, die anhand der darin enthaltenen Lebewesen beurteilt wurden. Das Ergebnis, das gleich vor Ort an der „Rollenden Waldschule“ ermittelt wurde: Die Gewässergüte liegt im bezeichneten Abschnitt bei 1,5, „ein gutes Ergebnis!“

 

Auch am zweiten Arbeitstag in der Natur war das Wetter schlecht. Man traf sich „Am Tannenbaum“. Sabine Mester-Schelper, Dieter Lalic und Michael Treimer hatten im Vorfeld aus Haselnuss große Rahmen gebogen. Kokosfaser sorgte für Spannung, Sisalfäden bildeten eine Haltestruktur. Gemeinsam flochten Gäste und Gastgeber ausschließlich Stoffe der Natur in diesen „Webrahmen“ ein, unter anderem Zweige und eine Sonnenblume aus Schwelm und Muscheln, Sandpäckchen und Kiefernzapfen aus Kolberg. Diese „Land-Art“, die mit der Zeit vergehen wird und ein Symbol für den respektvollen Umgang mit Natur ist, kann zur Zeit noch von jedermann am Tannenbaum besichtigt werden. Michael Treimer ist am Samstag, dem 23. Oktober, von 10 bis 12 Uhr vor Ort und wird gerne Besuchern das Projekt vorstellen.

 

Am letzten Tag waren die Kolberger Gäste der Technischen Betriebe Schwelm. Jürgen Dippel, der stellvertretende Vorstand, hieß die Partner herzlich willkommen und gab ihnen einen Überblick über die einzelnen Abteilungen der Einrichtung. Lars Seibel erläuterte das System, nach dem in Schwelm Abfall getrennt und entsorgt wird und sprach mit den Besuchern über die Fahrzeugausstattung der TBS für diese Aufgaben. Die Gäste verglichen das Schwelmer System mit der Kolberger Vorgehensweise und fanden in L. Seibel einen versierten Ansprechpartner für ihre vielen Fragen.

 

In rege Gespräche wurde auch Achim Stockermann eingebunden, der die vielgestaltige Grünpflege in Schwelm vorstellte. Insbesondere das Thema Baumschutzsatzung stieß auf größtes Interesse. So darf in Kolberg kein Baum ohne Genehmigung gefällt werden. Natürlich war auch die in diesem Sommer besonders gelungene Rabattenbepflanzung durch die TBS ein Thema, war sie doch nicht nur den Schwelmern, sondern auch den Kolbergern sehr angenehm aufgefallen. Eine Fahrt in die Höhe mit dem Hubsteiger schloss den betont informativen Vormittag bei den TBS ab.

 

Wie lässt sich klimafreundlich wirtschaften, ja, ein ganzer Wirtschaftshof unterhalten? Eine Antwort auf diese Frage gab der Besitzer des Bergerhofes in Hattingen, Heinrich Rudolf Reuter. Reuter und seine Frau errichteten die erste Windkraftanlage im Ruhrgebiet, die nicht nur den Strombedarf des gesamten Bergerhofes deckt, sondern auch überschüssigen Strom an den örtlichen Energieversorger liefert. Eine zweite Anlage kam hinzu, und zudem wurde auf dem Hof eine Photovoltaikanlage installiert, die bis zu 10kw liefert. Zu Recht wirbt die Familie mit dem Slogan, „Kochen und Backen mit Sonne und Wind“.

 

Das nun dritte deutsch-polnische Treffen mit seinen vielen Sachthemen hat wieder Vertreter der Schulverwaltungen, der Schulen und der Umweltverbände an einen „europäischen Tisch“ gebracht. Und darüber hinaus zu Freunden gemacht. So kegelte man an einem der Abende miteinander im „Westfalenhof“ und sprach auch über persönliche Belange. Keine Frage: Die Schwelmer ließen die Kolberger mit Wehmut ziehen. Nun wird das letzte Treffen in Kolberg im Frühjahr 2011 das Projekt beschließen.

 

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4. Besuch in Kolberg 22. - 28.05.2011

Wird zurzeit erstellt! 

 

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