Mann der ruhigen Töne: Schwelms Jugendamtsleiter Olaf Menke herzlich in Ruhestand verabschiedet

Dienstag, 19. Dezember 2023

Das Amt, das er geführt hat, erzählt intensiv von menschlichen Schicksalen; vieles, was man dort hört und sieht, ist dazu angetan, Menschen aufzuwühlen. Umso wichtiger sind dann neben Fachkompetenz und Entscheidungskraft menschliche Besonnenheit und Ruhe: All das hat Olaf Menke immer ausgemacht. Heute wurde der Leiter des Schwelmer Jugendamtes, das zum Fachbereich Familie, Bildung, Sport gehört, herzlich in den Ruhestand verabschiedet.

Olaf Menke wurde in Wuppertal-Heckinghausen geboren. Als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie nach Wuppertal-Langerfeld und er selbst wurde Bus-Schulpendler zum Märkischen Gymnasium Schwelm, wo er 1979 sein Abitur machte. An dieser Schule hatte der gutbürgerlich und wertebasiert erzogene junge Mann Gefallen am Leistungskurs Pädagogik gefunden, bevor er zur Bundeswehr ging.

Er habe dort eine hervorragende Kameradschaft kennengelernt, erinnert sich Olaf Menke, dennoch habe er „aus dem Dienst heraus verweigert, weil mir beim Schießtraining klar wurde, dass es nicht meinem Menschenbild entspricht, wenn meine Tötungshemmung abnehmen könnte“.

Seinen Ersatzdienst leistete er an der Schule für geistig behinderte Menschen in Herbede ab, woran sich in Dortmund das Studium der Diplom-Pädagogik und – zunächst – auch der Sonderschul-Pädagogik anschloss, bis Olaf Menke sich ganz für die Diplom-Pädagogik entschied.

Seine erste Arbeitsstelle führte ihn zur Lebenshilfe Hagen/Ennepe-Ruhr, der er zehn Jahre treu blieb, bis er spürte, dass die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen war. Er stieß auf eine Stellenanzeige der Stadt Schwelm, die eine Fachkraft für die pädagogische Mitarbeit im Jugendzentrum suchte, bewarb sich und lernte, wie er rückblickend lachend sagt, „in der Arbeit mit Kindern wieder viel Neues dazu. Aber das war genau richtig, denn ich wollte neben der Tiefe auch immer eine Breite in meinen Aufgaben haben“, so Menke, für den die „schmale Spur“ nicht die Lebenswirklichkeit abbildet.

Aus der Position des stellvertretenden Jugendzentrumsleiters heraus wechselte er nach sieben Jahren zur Wirtschaftlichen Sozialhilfe im Sozialamt, wo er sein Wissen weiter vertiefte.

Es folgte noch eine Station im Bereich Unterhaltsvorschuss, ehe er stellvertretender Jugendamtsleiter wurde, nicht ohne zuvor den dazu notwendigen Qualifizierungskurs des Landesjugendamtes zu absolvieren. 2011 übernahm Olaf Menke schließlich die Leitung des Amtes, das im Wesentlichen auf vier Säulen ruht:

  • Kinderschutz als Kernthema, denn das Jugendamt übt hier Wächterfunktion aus, die sich vor allem in der Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienstes ausdrückt.
  • Tagesbetreuung mit Kindertagesstätten, Kindertagespflegen usw.
  • Prävention (Suchtprävention) und Freizeit (Jugendzentrum)
  • Allgemeine Erziehungshilfen.

Es gehört zu den Errungenschaften des Jugendamtsleiters, dass er die Bildung von Teams mit Teamleitung angeregt und durchgesetzt hat. Dieses weniger zentralistische Modell hat Abläufe beschleunigt und trägt der gewachsenen Aufgabenfülle in fast allen Gebieten Rechnung.

Wie viel sich in den zurückliegenden Jahren im Jugendamtsbereich in Schwelm getan hat, belegt besonders der Bereich der Kindertagesbetreuung mit dem Ausbau der U-3-Betreuung, was schon ein gewaltiger Sprung war, und dem Bau neuer Einrichtungen. Olaf Menke: „Wir hatten 13 Kitas, jetzt sind es 19 und die 20. Einrichtung ist in Planung! Mit der Kindertagespflege bieten wir 1100 Plätze für Kinder in der Betreuung an!“

Zu den ganz wichtigen Errungenschaften gehört für den Fachmann die Bildung des städtischen Familienbüros; seine frühere Kollegin Christiane Rath habe seinerzeit angeregt, eine Anlaufstelle für junge Familien an separater Stelle zu gründen; heute sind im Familienbüro der Stadt Schwelm in der Kurfürstenstraße 23b u.a. die Frühen Hilfen, der Besuch beim Baby und die Wochenbettambulanz    untergebracht.

Sehr wichtig sind Olaf Menke auch die Gründungen der Verbundfamilienzentren im Kitabereich, die Ausweitung der interkommunalen Zusammenarbeit z.B. durch die Schaffung der gemeinsamen Adoptionsvermittlung mit Nachbarstädten, und eine funktionierende AG 78, die Ausstattung der Kindertagespflege mit zwei administrativen Teilzeitstellen und die aufsuchende Arbeit mit dem starken Standbein der Spielaktionen sowie die Quartiersarbeit. Und nicht zuletzt freut er sich sehr über die Feiern zum 40 „Geburtstag“ von Jugendzentrum und Kinderhort.  

Wie sehen die privaten Pläne des scheidenden Jugendamtsleiters aus? Mit seiner Frau, mit er seit 1985 verheiratet ist und drei Kinder großgezogen hat, teilt er das Hobby des Tanzens. Das Wohnmobil will endlich wieder mehr bewegt werden. Und dann pflegt Olaf Menke auch die Aqua Fitness für Männer und freut sich darauf, häufiger zu einem guten Buch zu greifen oder vielleicht sogar das Klavierspielen wiederaufzunehmen.

Schwelm, den 19. Dezember 2023