„Dat mausse jetz‘ maken!“ Ehrenamt als Nachbarschaftsleben

Hans Tillmann seit 30 Jahren Sozialpfleger / Stadt sagt: „Dankeschön!“

Es hat eine Zeit gegeben, da fand man innerhalb von Sekunden zum Ehrenamt. Hans Tillmann hat das selbst erlebt. Als Mitglied der Arbeiterwohlfahrt sagte ihm jemand vor 30 Jahren: „Dat mausse jetz‘ maken“. Hans Tillmann sagte zu und wurde am 11. Juni 1982 Sozialpfleger beim ehrenamtlichen Sozialdienst der Stadt Schwelm. Für seine über 30jährige wichtige und erfolgreiche Arbeit dankte Bürgermeister Jochen Stobbe dem 83Jährigen jetzt sehr herzlich im Namen der Stadt Schwelm mit einem Geschenk und mit Blumen.

Hans Tillmann wirkt im 3. Stadtbezirk, also in der Bergstraße, in der Kölner Straße und bis zum Wildeborn. Den dort lebenden Bürgern ab 70 Jahren stellt er das Jahresprogramm der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege vor, das  Stadtrundfahrten und Ausflüge, Theaterbesuche, Wandern, Gymnastik und Schwimmen, Vorträge und Kegeln umfasst. Wie die anderen 64 Sozialpflegerinnen und -Pfleger motiviert Hans Tillmann die älteren Schwelmer zu Geselligkeit und Gemeinschaft.

Für den Oberstädter ist es ein Heimspiel, wohnt er doch selber mit seiner Frau in der Bergstraße und kennt natürlich sehr viele der älteren Schwelmer in der Nachbarschaft. Sein Ehrenamt hat er nie als Bürde erlebt, obgleich er es schon ausübte, als er noch berufstätig war. „Ich bin mir gar nicht bewusst, dass da schon 30 Jahre zusammengekommen sind“, staunt der alerte Mann. Was er macht, macht genau, und eine Herausforderung nimmt er an. So wechselte der gelernte Herren- und Damenschneider seinerzeit den Beruf, als die Textilbranche darbte. Tillmann interessierte sich für den Verpackungsdruck, arbeitete in Wuppertal und Braunschweig und entwickelte die Technik für den aufkommenden Foliendruck mit.

Bürgermeister Jochen Stobbe als Vorsitzender und Andreas Koch als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege wissen, dass „uns andere Städte beinahe um diese ehrenamtliche Einrichtung beneiden“, die es seit  67 Jahren in Schwelm gibt. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg galt es, die unmittelbare Not vieler Bürger zu mildern, die Schuhe benötigten oder ein Bett oder einen Kochtopf oder Kinderkleidung.

Später wandelte sich das Aufgabengebiet zur sozialnachbarschaftlichen Begleitung älterer Menschen. Das ist heute, wo mehr Menschen deutlich älter werden und länger zu Hause leben als früher, wichtig, haben doch Sozialpflegerinnen und Sozialpfleger auch ein Auge darauf, ob Senioren ggfs. Hilfe benötigen. Wichtig ist aber vor allem eines: Sozialpfleger erleben ihr Amt als Teil des Nachbarschaftslebens, wo man unverkrampft miteinander umgeht und sich gerne ein wenig um den anderen kümmert.

Die Arbeitsgemeinschaft bildet sich aus dem Caritas-Verband, dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, der Inneren Mission, der Arbeiterwohlfahrt, dem Deutschen Roten Kreuz und der Stadt Schwelm. Entsandten früher allein die  caritativen Verbände Sozialpfleger in den ehrenamtlichen Sozialdienst, so können heute auch Bürgerinnen und Bürger dieses Ehrenamt ausüben, die keiner dieser Organisationen angehören.

Hans Tillmann und seine Frau Waltraud haben drei Kinder. Die älteste Tochter Gabriele Freyer-Siebeneiker ist ebenfalls Sozialpflegerin, und zwar im Bereich Straßburger Straße. Es muss also etwas dran sein, an diesem besonderen Ehrenamt…

Wer gerne als Sozialpflegerin oder Sozialpfleger für ältere Schwelmer in seiner Nachbarschaft wirken möchte, sollte sich bitte bei Andreas Koch vom städtischen Fachbereich Familie und Bildung melden, Moltkestraße 26, Tel. 02336 / 801-225.

Schwelm, den 19. Februar 2013

Kümmert sich gern in seinem Bezirk um die älteren Nachbarn: Hans Tillmann, dem Bürgermeister Jochen Stobbe und Andreas Koch jetzt herzlich dankten. Foto: Heike Rudolph
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