Die klare Botschaft lautete: „Die Zeit läuft - ein Leben ohne Gewalt“

(pen) „Guten Morgen. Dürfen wir Ihnen vier Fragen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen stellen?“ - Begleitet von ihrer Lehrerin Uta Kotte unterstützten Schülerinnen der Schwelmer Dietrich-Bonhoeffer-Realschule die diesjährige Aktion des Runden Tisches EN gegen Häusliche Gewalt in der Kreisstadt Die Antworten sollen im Unterricht ausgewertet und besprochen werden.

„Aber auch für uns“, so Petra Bedow, Geschäftsführerin des Runden Tisches und Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung, „ist es natürlich interessant zu wissen, was Bürger mit Häuslicher Gewalt verbinden, ob sie diese in ihrer Umgebung schon erleben mussten und wie sie damit umgehen würden.“

Die Mitglieder des Runden Tisches setzen sich seit fast zwanzig Jahren dafür ein, Häusliche Gewalt weder als Tabu-Thema zu betrachten noch als Privatsache zu bewerten. „Die Opfer - meist Frauen und Kinder - haben ein Anrecht auf Hilfe und Unterstützung“, betont Bedow. Dies natürlich völlig unabhängig davon, ob die Betroffenen körperlichen Attacken oder psychischen Repressalien ausgesetzt sind. „So oder so. Die Schläge sitzen. Der einzige Unterschied: Blaue Flecken sind leichter erkennbar als Narben auf der Seele, die ihre Ursache in totaler Kontrolle, Demütigungen und Beleidigungen sowie finanzieller Abhängigkeit und sozialer Isolation haben.“

Viele der von den Schülerinnen Befragten finden in der Schwelmer Fußgängerzone den Weg zum Informationsstand, kommen ins Gespräch mit Bedow und Andrea Stolte von der Frauenberatung EN, den Polizisten der Kreispolizeibehörde oder den Vertretern des Weißen Rings. Fast alle nehmen eine Parkscheibe entgegen, die Botschaft auf der Rückseite ist eindeutig, sie lautet „Die Zeit läuft - ein Leben ohne Gewalt“. Dazu finden sie Hinweise zu Beratungsstellen und Ansprechpersonen.

Themen am Stand waren auch die Reform des Sexualstrafrechts und die damit verbundenen Verbesserungen. „Strafbar sind jetzt alle sexuellen Handlungen, die gegen den erkennbaren Willen einer andere Person erfolgen“, informierte Bedow. Voraussetzung dafür ist nicht mehr das Androhen oder Ausüben von Gewalt. Vielmehr reichen bereits ein „Nein“, leichte Abwehr oder auch Weinen aus. „Wer das ignoriert, dem droht eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren“, so Petra Bedow.

Um Gewalt an Frauen und Kindern zu ächten, initiiert der Runde Tisch seit 2004 alljährlich eine Aktion, die in möglichst vielen Städten im Ennepe-Ruhr-Kreis informiert und sensibilisiert. Dabei wurden die Botschaften in der Vergangenheit unter anderen auf 200.000 Brötchentüten und 50.000 Taschentuchpäckchen, 1.000 Regenschirmen und 2.500 Eiskratzern, 1.500 Trillerpfeifen und auf Plakaten und Bannern in die Öffentlichkeit getragen. Sie lauteten beispielsweise „Gewalt kommt nicht in die Tüte.“ „Keine Gewalt gegen Frauen. Wir haben die Nase voll!“ „Wir lassen Frauen nicht im Regen stehen.“ „Eiskalt gegen Häusliche Gewalt.“. 2015 lautete die Botschaft auf 1.500 Brillenputztüchern „Jetzt sehen Sie klar - GEWALT hat viele GESICHTER!“

Stichwort "Häusliche Gewalt im Ennepe-Ruhr-Kreis":

Aus aktenkundigen 291 Fällen Häuslicher Gewalt, 169 Wegweisungen der Gewalttätigen aus Wohnungen und 180 Vermittlungen der Betroffenen an Beratungsstellen in 2014 wurden im letzten Jahr 420 angezeigte Fälle Häuslicher Gewalt, 220 Wegweisungen und 223 Vermittlungen. Dieses deutliche Plus führen die Mitglieder des Runden Tisches auch auf ihre Arbeit zurück. „Offenbar finden mehr Opfer den Mut, sich zu melden und die Polizei einzuschalten“, bewertet Petra Bedow die auf den ersten Blick negativen Entwicklungen positiv.

Niemand sollte sich scheuen. sich an Beratungsstellen, an das Frauenhaus oder an die Polizei zu wenden. Zeugen Häuslicher Gewalt sollten Warnsignale in jeglicher Form beachten und Unterstützung anbieten. Ansprechpartner sind beispielsweise das Frauenhaus.EN (02339/6292), die Frauenberatung.EN (02336/4759091, 02302/52596 und 02324/38093050), die Polizei (110), die Opferschutzbeauftragten der Polizei (02336/9166 2956 und 0234/909 4059) und der Weiße Ring (0151/55164777).

(Eine Pressemitteilung der EN-Kreisverwaltung)

Schwelm, den 28. November 2016

Auch Landrat Olaf Schade und Schwelms Bürgermeisterin Gabriele Grollmann machten sich am Informationsstand ein Bild von der diesjährigen Aktion des Runden Tisches EN/Foto: Stadtverwaltung Schwelm / Heike Rudolph
Die Botschaft auf der Rückseite der Parkscheibe ist eindeutig, sie lautet „Die Zeit läuft - ein Leben ohne Gewalt“. UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis
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