„Dieser Tag steht auch im Zeichen der Hoffnung!“

Schwelmerinnen und Schwelmer gedachten am Volkstrauertag der ungezählten Opfer von Krieg und Gewalt weltweit / Städtepartner aus Fourqueux gestalteten Gedenken mit

(rud) Auch in diesem Jahr gedachten viele Schwelmerinnen und Schwelmer am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewalt weltweit. Um 10 Uhr fand die Gedenkstunde im Gemeindehaus Linderhausen statt, wo die Chorgemeinschaft MGV Einigkeit Schwelm/Linderhausen den musikalischen Akzent setzte. Auf der anschließenden städtischen Gedenkfeier am Gräberfeld der ehemaligen Zwangsarbeiter auf dem Friedhof Oehde spielte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Schwelm unter Leitung von Rüdiger Leckebusch.

 

Die zentrale Ansprache hielt auf beiden Veranstaltungen Pfarrer Rainer Schumacher, Präses der Evangelischen Kirchengemeinde Schwelm – an seiner Seite seine Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Linderhausen, die das Gedenken mitgestalteten. Das Totengedenken sprachen in Deutsch und Französisch Bürgermeisterin Gabriele Grollmann und Daniel Level, der Bürgermeister aus Schwelms Partnerstadt Fourqueux, der mit einer Delegation nach Schwelm gereist war. Die beiden erinnerten in kurzen Ansprachen an die furchtbaren Anschläge auf Pariser Einrichtungen im Jahr zuvor und baten um eine Schweigeminute für die  Opfer dieser islamistischen Attentate.

 

In seiner Rede zum Volkstrauertag schlug Pfarrer Schumacher einen weiten Bogen von Verdun bis zur EU. In Verdun hatte vor 100 Jahren die schrecklichste aller Schlachten begonnen, die am Ende 850 000 Soldaten das Leben kostete. Verdun habe für ihn ein persönliches Gesicht, weil sein eigener Großvater als Kriegsteilnehmer an den Folgen eines Giftgasangriffes gelitten habe und Jahre später daran verstorben sei. In der sogenannten Materialschlacht des Ersten Weltkrieges seien auch die Menschen nur „Material“ gewesen. Damit hinter den unfassbaren Opferzahlen der Verdun-Schlacht das persönliche Schicksal nicht vergessen wird, zitierte Schumacher bewegende Sätze aus dem Brief eines jungen Soldaten, der im Ersten Weltkrieg fiel.

 

Der Präses schlug den Bogen zu den heutigen Opfern von Krieg und Gewalt und blickte nach Syrien, vor dessen Bürgerkrieg schon Millionen Menschen geflohen sind. Welche Verheerungen diese Gewalt auslöst, spiegelte er am Schicksal eines Schwelmer Schulkindes wider, das auf der Flucht über das Mittelmeer seine Mutter ertrinken sah.

 

Gewalt waren auch die ungezählten Menschen ausgesetzt, die als Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg in Deutschland ausgebeutet wurden – auch in Schwelm, wo 103 Männer, Frauen und Kinder aus Russland, der Ukraine, Polen, Belgien, Holland, Jugoslawien und anderen Ländern bestattet wurden „Hier liegt Europa!“ stellte Rainer Schumacher fest, der mit seinen Konfirmandinnen und Konfirmanden einem auf diesem Gräberfeld bestatteten Ehepaar nachspürte, das 1945 mit seinem dreijährigen Sohn Jannis in Schwelm verstorben war.  

 

Rainer Schumacher brachte auch die rechtsextremen Entwicklungen in vielen Ländern Europas zur Sprache, ob in Deutschland, in den Niederlanden, Frankreich und Polen. Der Ausgang der Wahl in den Vereinigten Staaten beunruhige ihn ebenso wie das Verhalten des türkischen Präsidenten. Doch er erinnerte auch an Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, die nicht nur die französisch-deutsche Aussöhnung auf den Weg gebracht, sondern auch der EU den Weg gebahnt hätten - einer Gemeinschaft, die nicht zu Unrecht 2012 den Friedensnobelpreis erhalten habe, habe sie doch einen langen Frieden in Europa bewirkt, für den er persönlich dankbar sei.

 

Am Gräberfeld (wie an anderen Gedenkstätten) legten der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und Vertreter/innen von Vereinen Kränze nieder. Die

Linderhauser Konfirmandinnen und Konfirmanden zündeten auf den Gräbern von Kindern und Jugendlichen Lichter der Hoffnung an, denn im Totengedenken, das Gabriele Grollmann und Daniel Level sprachen, heißt es: „Dieser Tag steht auch im Zeichen der Hoffnung!“

 

Schwelm, den 15. November 2016

 

 

Präses Rainer Schumacher hielt die Ansprache auf beiden Veranstaltungen. Seine Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Linderhausen gestalteten die Feiern mit. Das Totengedenken sprachen Schwelms Bürgermeisterin Gabriele Grollmann und Fourqueux' Bürgermeister Daniel Level.
Blick auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gedenkens, darunter die Delegation aus Fourqueux.
An der Oehde spielte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Schwelm.
In Linderhausen begleitete die Chorgemeinschaft MGV Einigkeit Schwelm/Linderhausen das Gedenken.
Lichter der Hoffnung entzündeten die Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Totengedenken mit Kranzniederlegung am Gräberfeld der ehemaligen Zwangsarbeiter/innen. Fotos: Stadtverwaltung Schwelm / Heike Rudolph
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