„Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet“: Bürgermeister dankt im Rathaus Schwelmer Spenderinnen und Spendern

Initiator Serdar Yüksel MdL berichtet aus erster Hand über erfolgreiches Container-Projekt im Nordirak

In nur wenigen Monaten haben Unternehmer, Bürger, eine Stiftung und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Schwelm 10.000 € für das Projekt „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet“ gespendet. Für dieses große Engagement, das zeigt, dass Schwelmern das Schicksal von Flüchtlingen nicht gleichgültig ist, bedankte sich Bürgermeister Jochen Stobbe jetzt im Schwelmer Rathaus persönlich bei den Spenderinnen und Spendern: „Es ist mir ein Herzensanliegen, Danke zu sagen. Sie haben gezeigt, dass Ihnen die bittere Not anderer Menschen, die alles verloren haben, nicht gleichgültig ist“.

Wer Geld für einen guten Zweck spendet, der wünscht sich, dass die Spende ihre Bestimmung erfüllen möge. Dass ihre Unterstützung Menschen in Not wirklich hilft, wissen die Schwelmer Spenderinnen und Spender nun auch aus erster Hand. Denn der NRW-Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel, der diese Initiative Ende letzten Jahres zusammen mit der Caritas Flüchtlingshilfe Essen e.V. auf den Weg gebracht hat, war trotz vollen Terminkalenders eigens ins Rathaus gekommen, um umfassend über das erfolgreiche Projekt zu informieren. Die Aktualität seiner Ausführungen lag auf der Hand, da Serdar Yüksel erst vor kurzem im Nordirak (in Arbil und Dohuk in der Region Kurdistan) war, um sich vom Fortgang des Container-Projektes zu überzeugen, und zwar „auf eigene Kosten. Die Spenden kommen 1:1 dem Projekt zugute“, so S. Yüksel.

Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, für Menschen im Nordirak, die nach ihrer Flucht vor andauernden schweren Kämpfen unter katastrophalen Bedingungen in Notunterkünften leben, Container zu beschaffen. Ein solcher Container kostet 5000 € und bietet jeweils zwei Familien bzw. alleinerziehenden Frauen mit Kindern, Alten und Kranken eine winterfeste Unterkunft mit Kochstelle und Sanitärbereich. Das erleichtert das schwere Leben in den Camps, wo zahlreiche Menschen seit Jahren in Zelten oder Wellblechhütten ausharren müssen. Ein von einer Stadt gestifteter Container trägt den Namen dieser Kommune. Die beiden Schwelmer Container bieten ein Stück Lebenswürde für viermal fünf Personen.

Serdar Yüksel kommt aus Wattenscheid und beschwört die einigende und integrierende Kraft des Ruhrgebietes, das vielfach Zusammenhalt und Solidarität bewiesen habe. Zur Zeit der Industrialisierung sei es Schmelztiegel für Menschen zahlreicher Nationen gewesen. Und die „Kulturhauptstadt Ruhr2010“ habe bewiesen, „dass man gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann“. Für die Idee, Flüchtlingen vor Ort zu helfen, fand er prominente Paten. Doch er braucht Hilfe aus den Städten, und so bat er alle 53 Ruhrgebietsstädte um Unterstützung.

In Schwelm fiel sein Ansinnen auf fruchtbaren Boden. Serdar Yüskel dankte Bürgermeister Jochen Stobbe und Pressesprecherin Heike Rudolph, die dem Projekt in Schwelm Schubkraft geben. „Wenn ich in mancher großen Stadt stehe und für das Flüchtlingsdorf werbe, dann verweise ich gerne auf die kleine Stärkungspaktgemeinde Schwelm, wo bereits das Geld für zwei Container zusammengekommen ist“, drückte der Landespolitiker seine Anerkennung für die Spender aus. Insgesamt weist das Projektkonto bei der Caritas in Essen bereits 200.000 € aus.

S. Yüksel stellte in seinem Schwelmer Vortrag in Wort und Bild die Region Nordirak vor, erläuterte die multiethnische Tradition, sprach über die konkrete Bedrohung der Menschen durch die Terroristen des Islamischen Staates und schilderte das Leben in den Camps, die aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen vielfach die Ausmaße von großen Städten angenommen haben.

Es gehört zur Würde des Menschen, sich noch im schlimmsten Elend so zu organisieren, dass das Leben miteinander möglich ist. So berichtete Serdar Yüksel über das Camp bei Dohuk, wo 60.000 Flüchtlinge leben. Er erzählte, dass man dort heiratet, dass dort pro Jahr 200 Kinder geboren würden, erzählte von kleinen Märkten, auf denen die Menschen – wie in der Nachkriegszeit in Deutschland – Handel miteinander treiben würden. Tatsache sei, dass manches Flüchtlingscamp fast so viele Einwohner habe wie die nächste Kommune, dem es angegliedert sei. In einem Fall kümmert sich eine Stadt mit 1,1 Millionen Einwohnern um ein Camp mit über 800.000 Flüchtlingen – eine unglaubliche Herausforderung. Das wäre so, als würde Deutschland 35 Millionen Flüchtlinge aufnehmen. 

Es gibt in den Camps viele Kinder, die keine Familie mehr haben, umherirren und von anderen Flüchtlingen, die selber wenig haben, noch mitversorgt werden. Und man darf nie vergessen: Der IS operiert nur wenige Kilometer entfernt, das bedeutet eine ständige Bedrohung der Menschen. IS-Mitglieder würden sich mitunter in Camps als „Schläfer“ verbergen, und es gebe auch Entführungen von Mädchen und Frauen, die nach Saudi-Arabien verkauft würden.

Einer der Schwelmer Spender kommentierte Serdar Yüksels Ausführungen wie folgt: „Die abendliche ,Tagesschau‘ ist weit weg. Aber hier erfahren wir, wie ernst doch alles ist.“

Die Schwelmer Spenderinnen und Spender wussten schon vorher, dass sie sich für ein Projekt der Menschlichkeit entschieden hatten. Die Ausführungen des NRW-Landtagsabgeordneten Serdar Yüksel und der Dank von Bürgermeister Jochen Stobbe haben sie darin bestärkt.

Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Schwelmer Beitrag am „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet“ stark machen möchten, können ihre Spende auf das städtische Konto 00000075, BLZ 454 515 55, bei der Stadtsparkasse Schwelm überweisen, Stichwort „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet Schwelm“. Das gespendete Geld wird von der Stadtverwaltung an den Caritasverband für das Bistum Essen e.V. weitergeleitet, der auch die Spendenbescheinigungen ausstellt.  

Schwelm, den 29. April 2015

Ein Genuss: Am 16. April spielt das bekannte und beliebte Landespolizeimusikorchester NRW im Rahmen der Veranstaltung "Sicherheit im Alter" in Schwelm.
Der Workshop wird von Svenja Wüstermann geleitet. Im Rahmen ihres freiwilligen sozialen Jahres gestaltet sie in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro das Projekt für Kinder. Mit viel Spaß und Begeisterung wird sie den Kindern Wissenswertes über Geschichte und Kultur vermitteln und tolle Kunstwerke mit ihnen herstellen.
Sie unterstützen das Projekt "Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet" und nahmen Serdar Yüksel gleich in ihre Mitte, v.l. Heike Rudolph, Schwelms Ehrenbürger Wilhelm Erfurt, Karlheinz Klos privat und als Personalratsvorsitzender der Stadtverwaltung Schwelm für die engagierten Mitarbeiter, Hans-Dietrich Mohr (Firma Bever & Klophaus), Bürgermeister Jochen Stobbe, Dr. Peter Kober, Burkhard Pass (Firma Pass), Annerose Dancs, Ralf Stoffels (Ralf-Stoffels-Stiftung), Dietrich Lüking, Berndt Erlenkötter (Schwelmer & Soziale Wohnungsgenossenschaft), Barbara und Erich Nölle, Erika Schröder und Gundolf Schilke. Nicht alle Spender (Firmen und Private) konnten anwesend sein; auch den Abwesenden sei herzlich gedankt.
Hat das Projekt "Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet" angestoßen und berichtete in Schwelm aus erster Hand: der NRW-Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel. Fotos: Arno Kowalewski
So katastrophal ist die Lage in den von S. Yüksel besuchten Flüchtlingscamps.
Aufbau von gestifteten Containern, die wegen des matschigen Untergrundes hochgestellt werden. Fotos: Jan Jessen
Schwelms Ehrenbürger Wilhelm Erfurt dankte Serdar Yüksel für sein Projekt der Menschlichkeit. Auch Hans-Dietrich Mohr und Bürgermeister Jochen Stobbe waren sehr beeindruckt von den sehr realen Schilderungen aus Dohuk.
Folgten mit großem Interesse den Ausführungen des Landespolitikers: Burkhard Pass, Berndt Erlenkötter, Ralf Stoffels, Barbara und Erich Nölle, Wilhelm Erfurt und Heike Rudolph. Fotos: Arno Kowalewski
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