Nicht nur Schokolade für die Ratsfrauen

Erstellt von Anna Schulte/Manuela Schwarzkopf |

Ratsfrauen diskutierten mit Bürgerinnen im Schwelmer Frauencafé

Das Frauencafé hatte Ratsfrauen zu Besuch - nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal. Für die Ratsfrauen gab es Süßes - eine große Tüte mit Schokolade und Informationsmaterial zum Dank für ihr Kommen und ihr Engagement - und auch mal ‚Saures’ in der lebhaften Aussprache. Manuela Schwarzkopf, seit Mai Schwelmer Gleichstellungsbeauftragte: „Uns war wichtig, dass die frisch gewählten Politikerinnen Ideen und Vorschläge der Bürgerinnen mit in den neuen Rat nehmen - und die Gewissheit, dass sie dafür mit Unterstützung rechnen können.“

Zum Einstieg stellte die 48Jährige sich und ihre Vorhaben vor: Seit 25 Jahren (gerne!) Schwelmerin, Erzieherinnenausbildung, Studium der Sozialarbeit, Master in Sozialpolitik, Arbeit in einer Übernachtungsstelle für wohnungslose Frauen, in einem Mädchenprojekt beim Autobauer Ford, für Gleichstellungsstellen, Mitarbeit in Forschungsprojekten für behinderte Frauen sowie zu Frauen und Arbeitsmarkt - die Nachfolgerin von Anna Schulte ist eine echte All-Rounderin. Aktuelle Anliegen sind ihr die Schaffung eines kommunalpolitischen Netzwerkes und der Erhalt und die Gestaltung von Arbeitsplätzen für Frauen. Dass sie dabei auf Rückhalt zählen kann, zeigte der Abend.

Der Arbeitskreis „Frauen gestalten ihre Stadt“ (FraGIS) hatte vor der Kommunalwahl allen Parteien Wahlprüfsteine zu verschiedenen frauenrelevanten Themen vorgelegt und damit „den Boden bereitet“ für spannende Fragen an die Ratsfrauen - nun waren Antworten gefragt.

Die Ratsfrauen-Runde war gut gemischt: Brigitta Gießwein (Die Grünen), frühere stellvertretende Bürgermeisterin, holte schon 1984 mit einem Antrag die damals privatisierte Reinigung zur Stadt zurück. Dr. Frauke Hortolani (SPD), seit eineinhalb Jahren im Rat, macht sich für die Vereinbarkeit von Familien- und Berufsarbeit stark. Auch die Jüngste in der Runde, Kerstin Heumann-Wasserkamp (FDP), hat bereits Ratserfahrung. Neu im Rat hingegen ist Eleonore Lubitz (Die LINKE), sie versteht sich auch als Stimme derjenigen, die meist keine Lobby haben - Frauen an der Armutsgrenze, Alleinerziehende. Sie alle machen ihre kommunalpolitische Arbeit ehrenamtlich neben Haushalt, Kindern, Beruf.

Ein sachkundiges Publikum - Vertreterinnen aus Verbänden, Betrieben, Beratungsstellen und Bürgerinnen mit viel Alltagskompetenz - fragte nach. Soziale Kälte und Armut, die Zukunft der städtischen Reinigung, befristete Arbeitsverhältnisse als Dauer-Probezeit, Arbeitsbedingungen und Bezahlung in der Kinderbetreuung, mehr Flexibilität beim Betreuungsangebot, Gewalt an Schulen, Teilzeit-Ausbildung, bezahlbarer Wohnraum für Familien, behindertengerechte Stadt, ein Frauenausschuss - die Themen hätten nicht vielfältiger sein können. Ein Widerspruch war mit Händen zu greifen: Viele Kommunen jonglieren am Rande der Zahlungsunfähigkeit, Schwelm befindet sich in der Haushaltssicherung. Dennoch sind Ziele und Einmischung gefragt, um - gerade auch in Zeiten knapper Kassen - die berechtigten Interessen von Frauen nicht aus den Augen zu verlieren. Ratsfrauen und Gleichstellungsbeauftragte ermutigten die Anwesenden, sich dabei einzubringen - auch als Parteilose, z.B. als sachkundige Bürgerin.

Der Abend war dafür ein gelungener Einstieg, dessen Fortsetzung bereits zwischen den Ratsfrauen und Bürgerinnen vereinbart wurde. Die Journalistin Cornelia Benninghoven, die die Veranstaltung kompetent moderierte, erstellt eine Dokumentation - als Grundlage für weitere Treffen und als Wegbegleiter für den Rat. Diese kann bei Manuela Schwarzkopf unter Tel. 801-209 oder schwarzkopf@schwelm.de vorbestellt werden. Bei ihr können sich auch Frauen melden, die an den nachfolgenden Treffen mit Ratsfrauen und Bürgerinnen interessiert sind und teilnehmen möchten.

Schwelm, den 12. Oktober 2009

 

Dieses schöne Bild besitzt wahrlich "Herz": Greta Lilli Nachtigall von der Grundschule Westfalendamm hat damit den Plakatwettbewerb gewonnen. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sei herzlich für ihre wundervollen Arbeiten gedankt!
Schwelms Frauenbeauftragte Manuela Schwarzkopf (l.) mit Marianne Rindermann (1. Vorsitzende des Schwelmer Frauencafés), Brigitta Gießwein (Die Grünen), Dr. Frauke Hortolani (SPD), Cornelia Benninghoven (Journalistin), Kerstin Heumann-Wasserkamp (FDP) und Eleonore Lubitz (Die Linken). Foto: Heike Rudolph
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