Häusliche Gewalt: Aktionstag macht Betroffenen seit zehn Jahren Mut

Am 25. November in Schwelm Veranstaltung auf dem Bürgerplatz

(pen) Häusliche Gewalt wird nicht mitgetragen, „weil die Würde der Bürgerinnen und Bürger des Ennepe-Ruhr-Kreises unantastbar ist“, „weil diese Form der Unfähigkeit, Hilflosigkeit und Feigheit nicht zu entschuldigen ist“ und „weil jede (r) Respekt verdient!“ Mit diesen Aussagen machen Landrat Dr. Arnim Brux sowie die Bürgermeister Jochen Stobbe (Schwelm) und Dr. Dagmar Goch (Hattingen) deutlich, was sie von dieser Form der Gewalt halten: Nichts. Andere Worte, identische Botschaft, dies gilt für die übrigen sechs Bürgermeister im Kreis.

Öffentlichkeitswirksam präsentiert werden alle Aussagen zwischen dem 25. und 29. November. Dann sind Mitglieder des „Runden Tisches EN gegen Häusliche Gewalt“ in allen neun Städten des Kreises an belebten Stellen präsent. Wie immer in den letzten zehn Jahren ist der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ ein Anlass für die Aktion. Ein anderer: Nach wie vor ist Häusliche Gewalt auch an Ennepe und Ruhr ein trauriges Thema. In Schwelm findet die Aktion am Dienstag, dem 25. November, von 10 bis 12 Uhr auf dem  Bürgerplatz statt.

„Ja, dieses Mal ,feiern´ wir tatsächlich ein Jubiläum. Mit der Botschaft ´Gewalt kommt nicht in die Tüte´, die 2004 auf 200.000 Brötchentüten zu lesen war, hat alles angefangen“, erinnert Petra Bedow, Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung und Geschäftsführerin des runden Tisches, an den Startschuss. Auch wenn sich der Erfolg der phantasievollen Kampagnen nicht in Zahlen messen lässt, ist sie rückblickend zufrieden. „Jede einzelne Frau, die durch unsere Aktionen und Arbeit den Mut findet, über Gewalt, die ihr in den eigenen vier Wänden widerfährt, zu berichten und sich Hilfe zu organisieren, ist ein Gewinn. Für jede Betroffene, die aufsteht und sich gegen die in vielen Fällen jahrelang erlittene psychische oder physische Misshandlung zur Wehr setzt, lohnt sich unser Einsatz“, so Bedow. Ebenso wichtig seien die Effekte, das Thema aus der Tabuzone zu holen und Beratungsangebote sowie Rechtsgrundlagen bekannt zu machen.

Tradition hat die Teilnahme des Landrats sowie der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister am Aktionstag. Dank ihrer Botschaften sind sie in diesem Jahr noch ein Stück mehr eingebunden als sonst. „Ihre zehn klar formulierten Aussagen gegen häusliche Gewalt rücken eine erste Präsentation im Sommer Ende November ein zweites Mal in den Mittelpunkt“, so Bedow.

Die Position der Verwaltungsleitungen scheint allerdings noch nicht bei allen angekommen zu sein. Das unterstreicht ein Blick auf die Fallzahlen des letzten Jahres. Für 2013 meldet die Kreispolizeibehörde, die für acht Städte des Ennepe-Ruhr-Kreises zuständig ist, 205 Fälle häuslicher Gewalt und 132 Wegweisungen der Gewalttätigen aus Wohnungen, in 171 Fällen erfolgte eine Vermittlung der Betroffenen an Beratungsstellen. Für Witten lauten die aktuell vorliegenden Zahlen 105, 56 und 35 sowie 51 Vermittlungen an das Jugendamt.

„Wir dürfen uns also nichts vormachen: Häusliche Gewalt ist für viel zu viele an Ennepe und Ruhr qualvoller Alltag. Und das übrigens völlig unabhängig von der Gesellschaftsschicht“, macht Bedow deutlich. Gleichzeitig betont sie: „Gewalt hat viele Gesichter. Schlagende Männer sind das eine. Partner, die psychische Gewalt ausüben und versuchen, die totale Kontrolle zu erlangen, das andere.“ Zum Instrumentarium der Täter zähle es, private Kontakte zu unterbinden, Telefonate zu kontrollieren oder Geld vorzuenthalten.

Der „Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“ ermutigt alle Betroffenen, sich an Beratungsstellen, an das Frauenhaus oder an die Polizei zu wenden. Zeugen Häuslicher Gewalt sollten Warnsignale beachten und Unterstützung anbieten. Ansprechpartner sind beispielsweise das Frauenhaus EN (02339/6292), die Frauenberatung EN (02336/4759091, 02302/52596 und 02324/594005), die Polizei (110), die Opferschutzbeauftragten der Polizei (02336/9166 2956 und 0234/909 4059) und der Weiße Ring (02333/609060). 

(Eine Pressemitteilung der Ennepe-Ruhr-Kreisverwaltung)

Schwelm, den 19. November 2014

Das Empfangsgebäude am Schwelmer Bahnhof hat nun neue Besitzer. Die BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW hat dies der Schwelmer Öffentlichkeit umgehend mitgeteilt. Diese Ansicht entstand anlässlich des Richtfestes für den inzwischen eröffneten neuen Zentralen Omnibusbahnhof. Foto: Stadtverwaltung Schwelm / Heike Rudolph
Das ist die Meinung von Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe über "häusliche Gewalt". Im Rahmen der kreisweiten Aktion des „Runden Tisches EN gegen Häusliche Gewalt“ wird die Schwelmer Veranstaltung am 25. November auf dem Bürgerplatz stattfinden. Foto: Stadtverwaltung Schwelm / Heike Rudolph
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