Häusliche Gewalt ist alles andere als Privatsache und Tabuthema

(pen) „Häusliche Gewalt darf weder Tabu-Thema noch Privatsache sein. Sie muss öffentlich gemacht werden. Die Opfer - meist Frauen und Kinder - brauchen Unterstützung.“ Für diese Ziele setzt sich im Ennepe-Ruhr-Kreis der Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt ein. Rund um den 25. November, den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, werden die Mitglieder auch in diesem Jahr in acht von neun Städten an Infoständen präsent sein.

„Wie immer in den letzten inzwischen zwölf Jahren“, so Petra Bedow, Geschäftsführerin des Runden Tisches und Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung, „gibt es eine neue Idee und einen angemessenen Slogan, um unsere Botschaft zu platzieren.“ In diesem Jahr setzen die Initiatorinnen auf 2.000 Parkscheiben. Auf ihnen ist zu lesen „Die Zeit läuft - ein Leben ohne Gewalt“. Dazu sind Hinweise zu Beratungsstellen und Ansprechpersonen aufgedruckt.

„Die Reform des Sexualstrafrechts ist für uns zudem Anlass, die damit verbundenen Verbesserungen deutlich zu machen. Schließlich sollte jeder wissen: Strafbar sind jetzt alle sexuellen Handlungen, die gegen den erkennbaren Willen einer andere Person erfolgen“, macht Bedow deutlich. Voraussetzung für die Strafbarkeit ist dabei nicht mehr das Androhen oder Ausüben von Gewalt des Opfers gegenüber dem Täter. Vielmehr reichen bereits ein „Nein“, leichte Abwehr oder auch Weinen aus. „Wer das ignoriert, dem droht eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren“, so Bedow. Für sie ebenfalls positiv: Auch wer eine Situation ausnutzt, in der das Opfer seinen Willen nicht äußern kann oder überrascht ist, muss mit Strafe rechnen. Gleiches gilt für Grabschen oder Belästigen aus einer Menschenmenge heraus.

Im letzten Jahr verzeichneten die Polizeibehörden im Ennepe-Ruhr-Kreis insgesamt 150 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Aufgrund der neuen gesetzlichen Möglichkeiten, die sich den Opfern zukünftig bieten, wird sich diese Zahl nach den Erwartungen des Runden Tisches gegen Häusliche Gewalt erhöhen. „Und das ist gut so“, unterstreicht Bedow.

Für sie liefern die aktuellen Zahlen zur Häuslichen Gewalt im Ennepe-Ruhr-Kreis gute Gründe dafür, die Opfer immer wieder über ihre Rechte im Zusammenhang mit körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt zu informieren und zum Handeln zu ermutigen. Aus aktenkundigen 291 Fällen Häuslicher Gewalt, 169 Wegweisungen der Gewalttätigen aus Wohnungen und 180 Vermittlungen der Betroffenen an Beratungsstellen in 2014 wurden im letzten Jahr 420 angezeigte Fälle Häuslicher Gewalt, 220 Wegweisungen und 223 Vermittlungen.

„Das deutliche Plus ist mit Sicherheit auch auf unsere Arbeit zurückzuführen. Offenbar finden mehr Opfer den Mut, sich zu melden und die Polizei einzuschalten“, bewertet Bedow die auf den ersten Blick negativen Entwicklungen positiv. „Sie sind aber eben leider auch ein Hinweis darauf, dass Häusliche Gewalt für viel zu viele an Ennepe und Ruhr qualvoller Alltag ist. Und das übrigens völlig unabhängig von der Gesellschaftsschicht“, unterstreicht sie.

Der „Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“ ermutigt alle Betroffenen, sich an Beratungsstellen, an das Frauenhaus oder an die Polizei zu wenden. Zeugen Häuslicher Gewalt sollten Warnsignale in jeglicher Form beachten und Unterstützung anbieten. Ansprechpartner sind beispielsweise das Frauenhaus.EN (02339/6292), die Frauenberatung.EN (02336/4759091, 02302/52596 und 02324/38093050), die Polizei (110), die Opferschutzbeauftragten der Polizei (02336/9166 2956 und 0234/909 4059) und der WEISSE RING (0151/55164777).

Stichwort Aktionen des „Runden Tisches EN gegen Häusliche Gewalt“

Um Gewalt an Frauen und Kindern zu ächten, hat der Runde Tisch alljährlich seit 2004 eine kreisweite Aktion initiiert. Dabei wurden die Botschaften in der Vergangenheit unter anderen auf 200.000 Brötchentüten und 50.000 Taschentuchpäckchen, 1.000 Regenschirmen und 2.500 Eiskratzern, 1.500 Trillerpfeifen und auf Plakaten und Bannern in die Öffentlichkeit getragen. Sie lauteten beispielsweise „Gewalt kommt nicht in die Tüte.“ „Keine Gewalt gegen Frauen. Wir haben die Nase voll!“ „Wir lassen Frauen nicht im Regen stehen.“ „Eiskalt gegen Häusliche Gewalt.“ 2015 lautete die Botschaft auf 1.500 Brillenputztüchern „Jetzt sehen Sie klar - GEWALT hat viele GESICHTER!“.

Stichwort „Runder Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“

Der „Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“, der die Aktionen geplant und vorbereitet hat, besteht seit 1999. Er vernetzt viele Institutionen  und Fachleute aus Justiz, Polizei, dem Opferschutz, den Beratungsstellen, dem Frauenhaus, der Frauenberatung, dem Gesundheitswesen und die Gleichstellungsbeauftragten der Städte und der Kreisverwaltung miteinander, um den gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern im Ennepe-Ruhr-Kreis ein sichereres Leben zu ermöglichen. Schirmherr ist Landrat Olaf Schade.

Stichwort Aktionen zum „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“

Witten

Dienstag, 22. November

12.00 bis 13 Uhr, Bahnhofstr.

Informationsstand mit Vertretern der Stadt und des Runden Tisches

 

Hattingen

Mittwoch, 23. November

15 bis 17 Uhr, Ecke Heggerstr./Krämersdorf/Obermarkt

Informationsstand mit Vertretern der Stadt und des Runden Tisches

 

Ennepetal

Donnerstag, 24. November

10 bis 13 Uhr, Voerder Str./Marktplatz

Informationsstand mit Vertretern der Stadt und des Runden Tisches

 

Herdecke

Donnerstag, 24. November

10.30 - 12.30 Uhr, Wochenmarkt

Informationsstand mit Vertretern der Stadt und des Runden Tisches

 

Wetter/Ruhr

Donnerstag, 24. November

16 bis 17.30 Uhr Ruhrtalcenter, Kaiserstr. 170

Informationsstand mit Vertretern der Stadt und des Runden Tisches

 

Gevelsberg

Freitag, 25. November

ab 18 Uhr, Mittelstr. 86-88

Mondscheincafé mit Kulturprogramm im Rahmen des Gevelsberger Mondscheinbummels

 

Schwelm

Freitag, 25. November

10 bis 12 Uhr, Bürgerplatz (vor der Bäckerei Harry Kaiser)

Informationsstand mit Vertretern der Stadt, des Kreises und des Runden Tisches

 

Sprockhövel

Freitag, 25. November

ab 10.30 Uhr, Wochenmarkt in Niedersprockhövel, Hauptstr. 6a

Informationsstand mit Vertretern der Stadt und des Runden Tisches

Schwelm, den 18. November 2016

 

 

 

Serviceportal