Am 9. Oktober zur Henrichshütte in Hattingen

Erstellt von Anna Schulte/Manuela Schwarzkopf |

1. „Café-Fahrt“ des Schwelmer Frauencafés

 

 

Seit seiner Gründung 2002 ist das Schwelmer Frauencafé immer gut für neue Ideen. Diesmal gibt es ein Novum der besonderen Art - die erste „Café-Fahrt“, garantiert ohne Wolldecken-Verkauf, dafür aber mit einem einmaligen Blick hinter die Kulissen eines Stahlwerks. Am Freitag, dem 9. Oktober (Treffpunkt um 15.30 Uhr vor dem Schwelmer Bahnhof), geht es mit einem (rollstuhlgeeigneten) Bus der VER zur Henrichshütte nach Hattingen. Dort zeichnet die Maschinenbau-Ingenieurin Ute Senger beim Gang über das Hüttengelände den Weg des Eisenerzes nach und schildert, was Frauen damit zu tun hatten.

Ute Senger ist ein „Hüttenkind“; Vater und Großvater waren Hüttenarbeiter. Sie selbst hat dort den Beruf der Technischen Zeichnerin gelernt, später Maschinenbau studiert und als Diplom-Ingenieurin in einem Metallbetrieb gearbeitet. Dann hat die Henrichshütte sie wieder eingefangen - als Freie Mitarbeiterin des Westfälischen Industriemuseums Hattingen, das auf dem Boden des inzwischen geschlossenen Stahlwerks entstanden war.

Ute Senger ist 52 Jahre alt, hat ein Kind... und den Lokführerschein. Schmunzelnd berichtet sie, wie es dazu kam: Bei einer Führung für Frauenbeauftragte aus der Region wurde von der Museumsleitung betont, dass man gerne mehr für Frauen täte. Zufällig wurde am gleichen Tag bei einer Mitarbeiterbesprechung ein Lokführer-Lehrgang angekündigt. Auf die Nachfrage, ob dafür auch Frauen vorgesehen seien, verwies der Chef auf die notwendige technische Vorbildung. Dabei fiel ihm wohl auf, dass da ja eine saß mit mehr als nur einer technischen Ausbildung - und Ute Senger bekam den Zuschlag.

Bei der Führung durch den erhaltenen Teil der noch immer imposanten Anlagen wird der Weg vom Eisenerz zum Eisen aufgezeigt und technisches Grundwissen vermittelt über den Rohstoff für viele unserer Alltagsgegenstände. Und ganz nebenbei erzählt Ute Senger Geschichte und Geschichten von Frauen, die die 133-jährige Hüttenzeit mitgeschrieben haben. Im Hochofenbetrieb liegt der Frauenanteil in Deutschland unter zwei Prozent. Dennoch war Hüttengeschichte immer auch Frauengeschichte. Die Frauencafé-Frauen erfahren mehr über die Krankenschwestern im Werkskrankenhaus, die Zwangsarbeiterinnen in der Nazizeit, über Chemielaborantinnen, Prüferinnen, Formerinnen, Kranführerinnen und die ersten Betriebsrätinnen. Vergessen werden auch nicht die Frauen, deren Leben durch die Arbeit ihrer Väter, Männer, Söhne im Werk geprägt wurde. Ute Senger schildert - als damals Beteiligte - wie sie sich mit Aktionen bis hin zum Hungerstreik für den Erhalt des Standortes einsetzten - und die Schließung dennoch nicht verhindern konnten. Gegen breiten Widerstand wurde 1987 der letzte Hochofen in Hattingen ausgeblasen. Er ist heute der älteste noch erhaltene Hochofen im Revier und zugleich das größte Ausstellungsstück des LWL-Industriemuseums.

Nach der Führung besteht - wie sich das für das Frauencafé gehört - Gelegenheit, im Restaurant „Henrichs" in der Gebläsehalle das Erlebte nach zu besprechen ... oder einfach zu plaudern und ein Häppchen zu essen. Fahrt und Führung sind rollstuhlgeeignet, der Kostenanteil je Frau wird ca. 4 € für Hin- und Rückfahrt und Führung betragen. Die Rückkehr in Schwelm ist für ca. 20 Uhr geplant. Anmeldungen sind noch möglich bei der Schwelmer Gleichstellungsbeauftragten Manuela Schwarzkopf unter Tel. 0 23 36 / 801-209 oder per Email unter schwarzkopf@schwelm.de. Sie hat auch weitere Informationen zu Fahrt und Frauencafé.

Schwelm, den 30. September 2009

 

Ute Senger - hier auf der Lok - wird die Teilnehmerinnen der Frauencafé-Fahrt über das Gelände der Henrichshütte führen.
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