Großartiger Abend der Klangvielfalt

Erstellt von Heike Rudolph |

Begeisterter Applaus für Lehrerkonzert der Musikschule im Schloss

Sicher hat man seinen Musiklehrern während der Schulzeit Unrecht getan, vor allem, wenn sie Theorie lehrten und draußen die Sonne schien. Doch hat man jemals gewürdigt, wie wundervoll diese Lehrer Klavier spielten oder Violine? Und dass zu diesem Können Handwerk gehört? In diesem Sinne ist jedes Lehrerkonzert der Städtischen Musikschule Schwelm nicht nur ein Gewinn an sich, sondern auch eine späte Abbitte an alle Musikvermittler, die eben auch: hervorragende Musiker sind.

Das jüngste Lehrerkonzert im Schloss Martfeld begeisterte die Besucher durch die Vielfalt der Stücke und Stile (Barock bis Experimentell), der Instrumente und Temperamente.

Mit drei Sätzen der Sonata „In Imitation of birds“ setzten Annette Padberg, Gabriele Weider (Blockflöten) und Regine Köppen (Gitarre) dem 1701 verstorbenen William Williams ein frisches Denkmal. Mit spürbarer Strahlkraft loteten die Flöten den Reiz aus, der sich ergibt, wenn der Tonsetzer die Ungebundenheit der Vogelstimmen in die Ordnung einer Komposition überführt.

Very british: „Prelude und Round Dance der English Suite“ von John W. Duarte, die sich Regine Köppen ausgewählt hatte. Es gelang ihr auf faszinierende Weise, Tradition und Moderne dieses Stückes auszuspielen. Hier ein kleiner Tempowechsel, dort ein Zögern, als würde die Musik selbst innehalten und sich nachspüren – Regine Köppen lehrt die Musikfreunde wieder Zuhören. 

Wir sind im Mendelssohn-Jahr: Intensiv, romantisch und dabei voller Kraft auch in den sublimen Partien, erzeugten Zuzana Ermlová (Violoncello) und Alksandar Filic (Klavier) mit einem Satz aus der Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58 eine Spannung, die sich unmittelbar auf die Zuhörer übertrug und sie bis zum Ende beherrschte.

Ernesto Hesse-Edelkötter gelang es, durch Spiel und Auftritt Selbstbewusstsein und Sensibilität der Viola auszudrücken. Angenehm schnörkellos und souverän gab er das Capriccio Nr. 5 von Pierre Rode.

Sie hatten „So in love“ von Cole Porter ausgewählt, setzten aber auch auf ein eigenes Stück der Sängerin: Anna-Luca Rademacher, Christof Söhngen und Sven Vilhelmsson hatten damit die richtige Wahl getroffen Anna-Luca Rademachers Stimme will Jazz nicht imitieren, sondern neu und eigen interpretieren, hält die Spannung der Songs auch über kompositorische Dehnungen und setzt dabei vibrierende Stimmungsvielfalt frei. Sven Vilhelmsson ist ganz der souveräne Rückhalt des Partners mit den größeren instrumentalen Freiheiten. Die nutzt Christof Söhngen, der an diesem Abend den klanglichen Reichtum der E-Gitarre beglückend erahnen lässt und gewinnend für sein Instrument wirbt (twelve points!)

Mit lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum auch bei Isis-Maria Henn (Violine) und Robert Weinsheimer (Klavier) für ihren Auftritt. U.a. begeisterten sie mit einem wie aus einem Guss interpretierten Satz aus Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 g-moll. 

Gern hätte man noch ein weiteres Stück von Simone Stöttner gehört, die mit Martin Müllers „Hommage à Astor Piazolla“, begleitet von R. Köppen, wunderbar souverän für die so vielseitige Klarinette warb. 

Auf Shanty oder Tango war man eingestellt, als Undine Hölzle den Raum betrat. Doch stellte sie das Akkordeon meisterlich von ganz anderen Seiten vor, nämlich als Klangkörper durch und durch. Nicht das Zusammenspiel von Bass und Melodie stand auf dem Programm, sondern das allmähliche Abtasten und Ausreizen aller klanglichen Möglichkeiten. Die Hand, die sturzartig über den Diskant fährt, das konsequente Halten eines höchsten Sirenen-Tones, das Stauchen des Balgs, so, dass dem Instrument ein Fauchen entfährt – hochkonzentriert löste die Akordeonistin  das Instrument aus bekannten Erwartungsmustern und eröffnete ihm neue Wirkfelder.

Das gelang auch Annette Padberg auf der Bassblockflöte. Auch sie unterlief  alle Klischees von den braven Flötentönen, Mit „The voice oft the crocodile“ des zeitgenossischen Komponisten Benjamin Thorn brachte sie das Instrument zum Flöten, Pfeifen, Gurgeln und setzte auch die eigene Stimme immer wieder als Tonträger zwischen die Instrumentalstrecken. Höchst professionell und dabei angenehm verschmitzt erspielte sie so eine eindringliche Vorstellung von Kreatur, und Wildnis, Locken, Täuschen und Zupacken.

Auf dem Eurovision Song Contest hätte Katharina Weidner, begleitet von Detlef Wiedenhaupt, sicher einen vorteilhafteren Platz für Deutschland belegt. Sie besitzt eine wandlungsfähige, biegsam modulierende Stimme, die zarte Passagen und kraftvolle Partien zu einem stimmigen, selbstbewussten Sound vereint, wie in Raabs//Mutzkes „“Can‘t wait until tonight“. Gewagt, gewonnen.

Die Musikschullehrer haben an diesem Abend für ihre Schule, ihre Arbeit, ihre Instrumente und die Lust an der Musik geworben. Mit ihnen freuten sich Musikschulleiterin Gabriele Weidner und Brigitte Gregor-Rauschtenberger, die Vorsitzende des Fördervereins, über den anhaltenden Beifall der Zuhörer.

Schwelm, den 29. Mai 2009

Mit lachenden Gesichtern verabschiedeten sich im Schwelmer Jugendzentrum die Kinder und ihre Eltern von Herrn Ärmel, Prinzessin Li Si, König Alfons, dem Viertel-vor-Zwölften, Lukas, den Bonzen aus Mandala, Frau Waas und den anderen hervorragenden Darstellern. Fotos: Heike Rudolph
Noch lange wirkte dieses herausragende Konzert bei den begeisterten Besuchern nach. Foto: Regine Köppen
Können zur Gefahr werden: Eiszapfen. Foto: Heike Rudolph
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