Liebe ist: Zu wissen, dass er der Mann fürs Leben ist

Ilse und Paul Remmel feierten Diamanthochzeit

Liebe ist: Wenn man auf den ersten Blick weiß, dass er der Mann fürs Leben ist. Die junge Ilse Meurisch war zum erstenmal zum Tanzen in das damals beliebte Lokal „Reuter“ mitgenommen worden. Dort wurde sie von Paul Remmel aufgefordert, den alle nur „Harry“ nannten. Dem jungen Mann mit dem beeindruckend vollen Haar machte es so gar nichts aus, dass die junge Dame ihm sogleich beichtete, nicht wirklich gut tanzen zu können, ja, eigentlich gar nicht. „Ich trat ihm denn auch öfter auf die Füße“, lacht Ilse Remmel heute. Doch Paul nahm das galant und praktizierte, was man heute „learning bei doing“ nennt. Das war vor 62 Jahren. Nun feierten Ilse und Paul Remmel im Kreise der Familie und mit Freunden ihre Diamanthochzeit.

Zwei Jahre nach dem Kennen lernen wurde geheiratet. Die Töchter Sonja und Cornelia kamen zur Welt. Der gelernte Schlosser und Autoschlosser Paul Remmel war zuletzt bei Draeger & Bastian angestellt. Seine Frau arbeitete 20 Jahre lang in der Personalabteilung des Schwelmer Kaufhofs. Vielen ist ihre wohltönende Stimme auch noch von den Durchsagen im Warenhaus bekannt. Im Laufe der 60 Ehejahre sind Remmels viel und gerne gereist. Außerdem haben sie über Jahre ihren Kleingarten am Neuloh genossen. Heute sind der Enkel und die beiden Urenkel Teil ihres Familienglücks.

Manches gehe eben nicht mehr so wie früher, denkt Ilse Remmel laut darüber nach, dass jeder Lebensabschnitt einen anderen Gehalt besitzt. Und doch kann man der blendend aussehenden Frau das gar nicht glauben. Denn Ilse Remmel (und ebenso ihr Mann) sehen bedeutend jünger aus als 78 und 80 Jahre. Und so hielt Bürgermeister Jochen Stobbe, der das Jubelpaar mit Blumen und Urkunde begrüßte, die Braut zunächst für einen der jüngeren Gäste. Ein Missverständnis, das viel Freude auslöste an diesem heiteren Morgen, an dem es eng wurde in der schmuckem Wohnung der Remmels in der Friedrich-Ebert-Straße 27. Denn neben dem Bürgermeister, Jürgen Hallepape und Hans Hammerschmidt von der Schwelmer und Sozialen Wohnungsgenossenschaft gratulierten Schulfreundinnen von Ilse Remmel und andere liebe Freunde des Paares.

Ilse Remmel und die Stadt Schwelm sind auf eine besondere Weise miteinander verbunden. Ilse Remmel ist jene Ilse Meurisch, die zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern während der Kriegsjahre einem aus der Ukraine verschleppten Mädchen, das Zwangsarbeit bei „Zassenhaus“ leisten musste, durch die schlimme Zeit halfen. Als eben jene Galina Illiwna Gontscharenko 2004 auf Einladung des früheren Bürgermeisters Dr. Jürgen Steinrücke Schwelm besuchte, gab es ein bewegendes Wiedersehen mit den Geschwistern Meurisch. Mit Ilse Remmel besuchte Galina Gontscharenko das Grab der Meurisch-Eltern auf dem Friedhof an der Oehde und gemeinsam schilderten beide Frauen ihre gemeinsamen Jugenderlebnisse im Krieg einem Radiosender. Die inzwischen verstorbene Galina Gontscharenko sagte damals: „Ohne diese Familie hätte ich nicht überlebt!“

Schwelm, den 7. März 2011

 

 

Das Ehrenmal an der Drosselstraße. Hier beginnt am Sonntag um 11.30 Uhr die Gedenkfeier von Stadt und Volksbund.
Dem Diamanthochzeitspaar Ilse und Paul Remmel gratulierten Bürgermeister Jochen Stobbe sowie Jürgen Hallepape und Hans Hammerschmidt von der Schwelmer & Sozialen Wohnungsgenossenschaft.
Hoffen auf mehr öffentliche Teilnahme am Volkstrauertag (v.l.): Burkhard Kinzner, Hans-Georg Müller, Bürgermeister Jochen Stobbe, Achim Flügel, Wolfgang Thomas, Rainer Schumacher, Wilfried Guthier, Bernd Scherer und Christian Rüth. Fotos: Heike Rudolph
Herzzerreißendes Wiedersehen von Ilse Remmel und Galina Gontscharenko in Schwelm beinahe 60 Jahre nach dem Krieg. Fotos: Heike Rudolph
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