Auch Schwelmer aus Afrika, Italien, Polen, Griechenland und der Türkei gedachten der Opfer

Erstellt von Heike Rudolph |

Berührende Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Ehrenmal

Rund vierzig Bürgerinnen und Bürger waren am Sonntag zum Volkstrauertag an das Ehrenmal auf der Sophienhöhe gekommen, um der Opfer von Krieg, Flucht, Vertreibung und Terror zu gedenken.

Pfarrer Uwe Rahn hielt in diesem Jahr die Ansprache zum Volkstrauertag, und er stellte skeptisch die Frage, wie tief denn wohl dieser besondere Tag in den Menschen verankert sei. Der Volkstrauertag, daran erinnerte Rahn, habe einen deutlichen Wandel erlebt, vom Gedenken an die Toten des 1. Weltkrieges hin zum Gedenken an alle Opfer. Er sprach an, wie schwer man sich als jüngerer Mensch angesichts der unfassbaren Untaten, die in deutschem Namen begangen worden waren, mit dem Deutschsein getan habe. Er erzählte von alten Menschen, die lange zurückliegende Schrecken, Entbehrungen und Verluste mitunter bis auf den heutigen Tag nicht verarbeiten könnten. Und er ging auch der Frage danach nicht aus dem Wege, wie es denn Christen mit deutscher Kriegsbeteiligung halten würden. Die Rede – ganz auf der Höhe der aktuellen Diskussionen – war couragiert in ihrer Zeitgenossenschaft, fragend und selbstbefragend und dabei verwurzelt im christlichen Denken und Fühlen.

Ruhig und getragen spielte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr unter Leitung von Rüdiger Leckebusch „Über allen Gipfeln ist Ruh“, „Süß und ruhig ist der Schlummer“ und „Das Lied vom guten Kameraden“ und ließ den Besuchern damit einen musikalisch weit gespannten Raum für eigene Gedanken und Gefühle zu diesem Tag.

Wie übrigens auch Katharina Weidner (Gesang) und Detlef Wiedenhaupt (Gitarre) von der Städtischen Musikschule, die mit „Soulmate“ und „Bitte hör nicht auf zu träumen“ ins Herz der Versammelten trafen. Zwei Stücke, die von menschlicher Nähe erzählen und davon, dass dort, wo Vertrauen zwischen Menschen herrscht, die Welt im Frieden mit sich ist.

Zum Totengedenken versammelten sich in diesem Jahr Bürgerinnen und Bürger aus vielen Teilen der Welt hinter Bürgermeister Jochen Stobbe. Er hatte sie gebeten, mit ihm augenfällig ein Zeichen zu setzen dafür, dass der Wunsch nach Frieden  weltbürgerlich und weltumspannend ist. Ob aus Afrika und Griechenland, Italien, der Türkei oder Polen: Jeder Mensch, so Jochen Stobbe im Vorfeld, habe seine eigene Geschichte. „Es ist gut, dass die Bürger unserer Stadt, gleich wo sie geboren wurden, ein Zeugnis für Frieden und Verständigung ablegen“.

Zuvor hatten der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Vertreterinnen und Vertreter anderer Verbände an weiteren Gedenkstätten der Stadt Kränze niedergelegt.

Schwelm, den 16. November 2010

Menschliches Leid ist keine Frage nationaler Grenzen: Schwelmer Bürger aus Afrika, Italien, Polen, Griechenland und der Türkei beim Totengedenken mit Bürgermeister Jochen Stobbe.
Fragend und selbstfragend: Pfarrer Uwe Rahn sprach denkwürdig und couragiert zum Volkstrauertag.
Begleitet seit Jahren die Gedenkfeier am Ehrenmal: Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Schwelm.
Katharina Weidner und Detlef Wiedenhaupt trafen mit ihren Songs ins Herz der Besucher. Fotos: Heike Rudolph
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