Wie sauber ist die Schwelme? „Land-Art“ am Tannenbaum“

Erstellt von Heike Rudolph |

COMENIUS-Regio: Drittes Schwelm-Kolberger „Klimagespräch“

Das Klima wandelt sich, und vielgestaltig sind die Wege, auf denen Menschen diesen Veränderungen wirksam zu begegnen versuchen. Im COMENIUS-Regio-Programm der Europäischen Union sind die Städte Kolberg (Polen) und Schwelm enge Partner. Nun fand in Schwelm die dritte von vier Begegnungen statt.

Das Programm war straff und sah neben einem Empfang im Rathaus, wo Bürgermeister Jochen Stobbe die Gäste herzlich begrüßte, Arbeitsgespräche in der Gustav-Heinemann-Hauptschule mit den zentralen Themen „Energieeinsparung“ und „Schulgarten“ vor.

Gleich an zwei Tagen wurde in der Natur gearbeitet. Michael Treimer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz und Mitglied der Schwelmer Delegation, bestimmte gemeinsam mit den Teilnehmern an der „Schinkenbrücke“ im Martfelder Wald die Gewässergüte der Schwelme. Bei strömendem Regen entnahmen die Gruppen dem Flüsschen Proben, die anhand der darin enthaltenen Lebewesen beurteilt wurden. Das Ergebnis, das gleich vor Ort an der „Rollenden Waldschule“ ermittelt wurde: Die Gewässergüte liegt im bezeichneten Abschnitt bei 1,5, „ein gutes Ergebnis!“

Auch am zweiten Arbeitstag in der Natur war das Wetter schlecht. Man traf sich „Am Tannenbaum“. Sabine Mester (Biologische Station), Dieter Lalic (Schulverwaltung) und Michael Treimer hatten im Vorfeld aus Haselnuss große Rahmen gebogen. Kokosfaser sorgte für Spannung, Sisalfäden bildeten eine Haltestruktur. Gemeinsam flochten Gäste und Gastgeber ausschließlich Stoffe der Natur in diesen „Webrahmen“ ein, unter anderem Zweige und eine Sonnenblume aus Schwelm und Muscheln, Sandpäckchen und Kiefernzapfen aus Kolberg. Diese „Land-Art“, die mit der Zeit vergehen wird und ein Symbol für den respektvollen Umgang mit Natur ist, kann zur Zeit noch von jedermann am Tannenbaum besichtigt werden. Michael Treimer ist am Samstag, dem 23. Oktober, von 10 bis 12 Uhr vor Ort und wird gerne Besuchern das Projekt vorstellen.

Am letzten Tag waren die Kolberger Gäste der Technischen Betriebe Schwelm. Jürgen Dippel, der stellvertretende Vorstand, hieß die Partner herzlich willkommen und gab ihnen einen Überblick über die einzelnen Abteilungen der Einrichtung. Lars Seibel erläuterte das System, nach dem in Schwelm Abfall getrennt und entsorgt wird und sprach mit den Besuchern über die Fahrzeugausstattung der TBS für diese Aufgaben. Die Gäste verglichen das Schwelmer System mit der Kolberger Vorgehensweise und fanden in L. Seibel einen versierten Ansprechpartner für ihre vielen Fragen.

In rege Gespräche wurde auch Achim Stockermann eingebunden, der die vielgestaltige Grünpflege in Schwelm vorstellte. Insbesondere das Thema Baumschutzsatzung stieß auf größtes Interesse. So darf in Kolberg kein Baum ohne Genehmigung gefällt werden. Natürlich war auch die in diesem Sommer besonders gelungene Rabattenbepflanzung durch die TBS ein Thema, war sie doch nicht nur den Schwelmern, sondern auch den Kolbergern sehr angenehm aufgefallen. Eine Fahrt in die Höhe mit dem Hubsteiger schloss den betont informativen Vormittag bei den TBS ab.

Wie lässt sich klimafreundlich wirtschaften, ja, ein ganzer Wirtschaftshof unterhalten? Eine Antwort auf diese Frage gab der Besitzer des Bergerhofes in Hattingen, Heinrich Rudolf Reuter. Reuter und seine Frau errichteten die erste Windkraftanlage im Ruhrgebiet, die nicht nur den Strombedarf des gesamten Bergerhofes deckt, sondern auch überschüssigen Strom an den örtlichen Energieversorger liefert. Eine zweite Anlage kam hinzu, und zudem wurde auf dem Hof eine Photovoltaikanlage installiert, die bis zu 10kw liefert. Zu Recht wirbt die Familie mit dem Slogan, „Kochen und Backen mit Sonne und Wind“.

Das nun dritte deutsch-polnische Treffen mit seinen vielen Sachthemen hat wieder Vertreter der Schulverwaltungen, der Schulen und der Umweltverbände an einen „europäischen Tisch“ gebracht. Und darüber hinaus zu Freunden gemacht. So kegelte man an einem der Abende miteinander im „Westfalenhof“ und sprach auch über persönliche Belange. Keine Frage: Die Schwelmer ließen die Kolberger mit Wehmut ziehen. Nun wird das letzte Treffen in Kolberg im Frühjahr 2011 das Projekt beschließen.

Schwelm, den 19. Oktober 2010

Lohmannsgasse 5: Übersichtsplan
Gruppenfoto vor dem Hubsteiger mit Achim Stockermann, dem Grünexperten der Technischen Betriebe Schwelm.
Flurkarte
Zuvor hatten Jürgen Dippel, stellv. TBS-Vorstand, und Lars Seibel, zuständig für den Bereich Abfallwirtschaft, die Gäste begrüßt und die TBS vorgestellt. Hanna Meyer (Mitte) von der Stadt Schwelm dolmetschte.
Luftbild
"Land-Art": Die Webrahmen aus Schwelm-Kolberger Naturstoffen sind bis auf den heutigen Tag eine Sehenswürdigkeit "Am Tannennaum".
Entwurf Bebauungsplan Nr. 92
Die nassen Füße haben sich gelohnt: Die Kunstwerke erzählen vom sorgsamen Umgang mit der Natur.
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