Subjektiv am Objektiv: Vom Glück der Wahrnehmung und Deutung

Schwelmer Fototreff begeistert mit Ausstellung „Momente.Eindrücke.Bilder“. im Haus Martfeld

Ruhiges Betrachten, Staunen, Schmunzeln, hinterfragende Blicke und immer wieder anerkennendes Nicken: Die Ausstellung „Momente.Eindrücke.Bilder.“ des Schwelmer Fototreffs im Haus Martfeld trifft den Nerv der Besucherinnen und Besucher.

 

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren zur Eröffnung der Schau gekommen, die thematisch bewusst breit angelegt ist. Landschaftsmotive sind ebenso präsent wie Straßenszenen. Aufnahmen von moderner Architektur, die - nachts fotografiert - ein futuristisches Eigenleben zu führen scheint, ziehen die Betrachter ebenso in ihren Bann wie verblüffend experimentelle Aufnahmen, deren Zustandekommen die Künstler den interessierten Gästen der Vernissage natürlich gern erläuterten.

 

Bilder vom Menschen erzählen von der existenziellen Bindekraft privater Momente; ein Strandbild in unspektakulär hellen, fast durchsichtigen Tönen spiegelt die Magie eines Augenblicks der Freiheit wider. Die Ablichtung eines Innenraumes zunächst in blauen Tönen und dann in Schwarz-Weiß führt zu erstaunlichen Unterschieden in der Wahrnehmung der Raumtiefe.  

 

Mit anderen Worten: Der Fototreff Schwelm, der schon in seinen früheren Ausstellungen angenehm von sich reden machte, spielt auch in seiner Präsentation im Haus Martfeld seine Klasse aus. Die Ausstellung „Momente. Eindrücke. Bilder.“ macht durch die drei gewählte Begriffe nachvollziehbar, wie das Foto entsteht: Da ist der Moment der Wahrnehmung, der zum persönlichen Eindruck führt und schließlich zum Entschluss, den Augenblick festzuhalten – das Bild ist in der Welt.

 

„Zumal das schnelle, situative Foto hat ungeheure Popularität erlangt. Oder ist es – wertfrei gefragt -, für einen Teil der Nutzer, nur Mittel zum Zweck, um die Aufmerksamkeit auf sich selber zu lenken?“ So hinterfragte Schwelms Bürgermeisterin Christiane Sartor in ihrer Begrüßungsrede zur Eröffnung der Ausstellung den Hang zur Selfie-Welle kritisch.  

 

Christiane Sartor weiter: „Die Fotografinnen und Fotografen des Fototreffs treten als Personen einen Schritt zurück und geben den Bildern die Ehre. Natürlich ist auch diesen Aufnahmen Individualität eingeschrieben, sonst wären sie nicht entstanden. Denn wer auch immer auf den Auslöser drückt, wählt ein spezielles Motiv aus, kümmert sich um die richtige Belichtung, entscheidet sich bewusst für Perspektive und Ausschnitt. Damit ist der Mensch am Objektiv subjektiv. Er ist mit seinem je eigenen Temperament in dieses Bild eingegangen.“

 

Doch das geschehe auf eine Weise, die die Betrachter nicht in ihrem eigenen Blick auf die Aufnahmen beeinflusse. Man stehe vor all diesen ausgesuchten Fotografien und dürfe, könne und werde sie für sich selber entdecken - mit eigenen Gefühlen und Gedanken.

 

„Die hier gezeigten erstklassigen Fotos übersteigen das qualitätsvolle Handwerk und werden zur Kunst. Vor allem aber geben sie uns Freude und Ruhe, Spannung und Überraschung. Sie erzählen Geschichten, aber sie lassen auch unsere eigenen Geschichten zu. Statt zu konsumieren, erleben wir das Glück der Wahrnehmung und der Deutung “.

 

Die stellvertretende Bürgermeisterin dankte den Mitgliedern des Fototreffs sehr herzlich, nämlich Karin Ring, Rainer Deis, Detlev Marx, Walter Betz, Reiner Grasses, André Kuhnhen, Birgit Rüssing, Volker Wehres, Thomas Meyer und Dr. Christian Bockelmann, der auch einführende Worte sprach.

 

Ein Dank erging auch an den städtischen Fachbereich Schule, Kultur, Sport, der diese Ausstellung betreut.

 

Die Präsentation kann bis zum 19. März besucht werden, samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr, Eintritt 1 Euro.

 

Schwelm, den 27. Januar 2017

 

 

 

 

 

 

Schwelms stellvertretende Bürgermeisterin Christiane Sartor bat die Mitglieder des Fototreffs nach vorn, damit sich die zahlreichen Gäste ein Bild von den Künstlern hinter der Kamera machen konnten. Es sind Karin Ring, Rainer Deis, Detlev Marx, Walter Betz, Reiner Grasses, André Kuhnhen, Birgit Rüssing, Volker Wehres, Thomas Meyer und Dr. Christian Bockelmann.
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger genossen die Vernissage der Ausstellung im Haus Martfeld.
Dr. Christian Bockelmann führte in die Ausstellung ein. Der Musiker Daniel Hinzmann setzte den musikalischen Akzent dieses Abends. Fotos: Arno Kowalewski
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