Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen für Wilhelm Friedrich Erfurt / Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zeichnete Schwelmer Ehrenbürger in Feierstunde aus

Herzliche Würdigung der Stadt in Ratssitzung vor Sommerpause

Der Verdienstorden des Landes ist im März 1986 aus Anlass des 40. Geburtstages des Landes Nordrhein-Westfalen gestiftet worden. Er wird an Bürgerinnen und Bürger als Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienste für die Allgemeinheit verliehen. Die Zahl der Landesorden ist auf 2.500 begrenzt. In den Jahren seines Bestehens sind bisher knapp 1.500 Frauen und Männer mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden.

Seit Mittwoch, dem 18. Januar 2017, zählt dazu auch Schwelms Ehrenbürger Wilhelm Friedrich Erfurt, den NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gemeinsam mit 25 weiteren Bürgerinnen und Bürgern im Museum Kunstpalast in der Landeshauptstadt Düsseldorf in einer Feierstunde für sein jahrzehntelanges, betont vielseitiges und überaus großzügiges ehrenamtliches Wirken auszeichnete.

An die Ausgezeichneten gewandt sagte Hannelore Kraft: „Sie sind Menschen, die für Werte einstehen, die nicht von oben verordnet werden können, sondern im Alltag gelebt werden müssen: soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz, Zivilcourage und Respekt. Sie leben diese Werte. Dafür danke ich Ihnen.“

Die Laudatio der Ministerpräsidentin auf Wilhelm Erfurt:

„,Achtung verdient, wer erfüllt, was er vermag‘, so der griechische Dichter Sophokles. Vor Wilhelm Erfurt habe ich die allergrößte Achtung. Lieber Herr Erfurt, Sie haben über 4 Jahrzehnte ein großes auf Tapetenherstellung spezialisiertes Familienunternehmen geleitet. Manche Gäste hier ahnen vielleicht gar nicht, dass sie von Wilhelm Erfurt im wahrsten Sinne umgeben sind, sofern sie die weltweit bekannte Erfurt-Raufaser-Tapete an der Wand haben.

Als Unternehmer haben Sie sich großzügig für Kultur, Umweltschutz und Soziales in Ihrer Heimatstadt Schwelm eingesetzt. Anfang der 1990er Jahre haben Sie z. B. der AG Umweltschutz Schwelm ein ca. 5,5 ha großes Grundstück geschenkt, auf dem seither ein Biotop mit Vogelschutzhecken, Feldgehölzen und einer großen Streuobstwiese entstanden ist.

Unmittelbar nach Ihrem Rückzug aus dem Unternehmen im Jahr 1998 gründeten Sie die ,Wilhelm-Erfurt-Stiftung für Kultur und Umwelt‘. Von den über 160 geförderten Projekten erwähne ich beispielhaft das Haus Martfeld mit dem Heimatmuseum, dem Stadtarchiv und der Historischen Bibliothek. Auch das Projekt ‚Fahrbare Umweltschule‘ wird mit Hilfe der Stiftung realisiert und eine umfangreiche Ausstattung für den Unterricht vor Ort finanziert. Als langjähriger Leiter des Hegerings Schwelm setzt sich Wilhelm Erfurt für Naturschutzprojekte und eine moderne Öffentlichkeitsarbeit ein. Wilhelm Erfurt ist in vielen Bereichen für seine Mitmenschen aktiv: So fördert er auch seit Jahren therapeutischen Malunterricht für die Bewohner eines Altenheims. Und er half dabei, einen Wohncontainer für Flüchtlinge im Rahmen des Projektes ,Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet‘ zu finanzieren.

Lieber Wilhelm Erfurt, Sie wirken am liebsten im Stillen und machen nicht viel Aufhebens um Ihr großartiges Engagement. Doch heute hole ich Sie in die erste Reihe und überreiche Ihnen sehr gerne den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen“.

Die Ministerpräsidentin bedauerte, die neuen Ordensträger jeweils nur in konzentrierten kurzen Porträts würdigen zu können.

Hier ein kurzer Überblick über Wilhelm Erfurts Wirken über Jahrzehnte:

Wilhelm Erfurt, geboren 1930, steht für einen aufgeschlossenen und modernen Heimatbegriff. Am 19. Januar 2006 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Schwelm ernannt. Beruflich hat er beinahe 50 Jahre das Familienunternehmen Erfurt & Sohn geführt. Er war in früherer Zeit Schwelmer Kommunalpolitiker, auch Vorsitzender des Kulturausschusses.

Wilhelm Erfurt hat den ehemaligen Schwelmer Kunstverein gegründet, und er ist Mitglied im Verschönerungsverein, den er auch selber geleitet hat. Sehr stark engagiert der Ehrenbürger sich im Kuratorium der Stiftung Lebenshilfe, wo er z.B. das Projekt „Zeit für mich – Urlaub ohne Koffer“ finanziert. Er hat sich um die Martfeld-Kapelle verdient gemacht und den Schwelmer Haferkasten (erbaut 1583 und damit das älteste Gebäude der Stadt) durch Sanierung gerettet. 

Seine vielfältige und sehr großzügige Unterstützung für Schloss Martfeld währt seit Jahrzehnten. Zudem hat er die Dokumentation „Jüdisches Leben in Schwelm“ der Schwelmer Stolpersteingruppe finanziert und Schülerinnen und Schülern Studienfahrten in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz ermöglicht.

Nicht zuletzt unterstützt er die Würdigung des Schwelmer Schulreformers Fritz Helling auf vielfältige Weise.

Herr Erfurt wurde bei der Ordensverleihung von seinem Sohn Stephan (Vorstandsvorsitzender c/o Berlin Foundation) sowie von einigen Freunden begleitet. Bürgermeisterin Gabriele Grollmann hatte Wilhelm Erfurt bereits telefonisch sehr herzlich gratuliert. Für die verunfallte Bürgermeisterin nahm die stellvertretende Bürgermeisterin Christiane Sartor an der Ordensverleihung teil, begleitet von Anke Kelch, der Koordinatorin der Servicestelle Ehrenamt der Stadt Schwelm.

„Es ist wunderbar“, so Gabriele Grollmann, „dass diese großartige Schwelmer Persönlichkeit, die sich seit Jahrzehnten auf unbeschreiblich vielfältige Weise um Schwelm verdient macht, den bedeutenden Verdienstorden des Landes NRW erhalten hat“.

Es sei ihr eine Ehre, Herrn Erfurt im Laufe der nächsten Zeit noch einmal persönlich zu würdigen, so im Kreise derer, die die Ordensanregung auf den Weg gebracht und unterstützt haben.

Darüber hinaus ist es der Bürgermeisterin eine große Freude, Herrn Erfurt in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause im Namen der Stadt noch einmal zu seiner hohen Auszeichnung gratulieren zu dürfen.

Schwelm, den 20. Januar 2017

 

 

„,Achtung verdient, wer erfüllt, was er vermag‘: Mit diesen Worten leitete NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ihre Laudatio auf Wilhelm Friedrich Erfurt ein.
Am Ende der Feierstunde wurden alle 26 neuen Träger/innen des Verdienstordens zu einem Gruppenfoto gebeten. Foto: Land NRW
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