Warenhaus, Sprachförderung, Spielgruppe, Möbelteam

„2. Schwelmer Flüchtlingsgipfel“ belegt eindrucksvoll die Vielfalt der Hilfe durch Ehrenamtliche und Verbände

Von Beginn der Flüchtlingszuweisungen an haben sich zahlreiche Schwelmerinnen und Schwelmer der aktiven Unterstützung der Menschen aus Syrien, dem Irak, dem Iran, Afghanistan und anderen Ländern verschrieben.

Im Abstand von zehn Monaten zur Auftaktveranstaltung fand jetzt der 2. Schwelmer Flüchtlingsgipfel statt, der mit über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eindrucksvoll bewies, wie erfolgreich die ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger arbeiten. Mit offenen Armen wurde Anke Kelch empfangen, die die Arbeit der Ehrenamtlichen, der Verbände und der Stadtverwaltung rund um das Thema „Betreuung der Flüchtlinge“ auf der neu geschaffenen Ehrenamtsstelle der Stadt Schwelm koordinieren wird. Für diese Stelle hatte sich Bürgermeisterin Gabriele Grollmann stark gemacht. Mit klaren Worten unterstrich sie, dass die Ehrenamtlichen auch weiterhin auf ihre Unterstützung zählen könnten: „Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, damit Ihnen nicht personell und monetär der Boden wegbricht“, versicherte das Stadtoberhaupt. Bislang habe sich alles darum gedreht, den Menschen in Not ein Dach über dem Kopf zu geben. Nun gelte es, sie zu integrieren.

Gabriele Grollmann: „Angesichtes der schlimmen Ereignisse in der Silvesternacht in Köln ist ein Umdenken insgesamt in der Gesellschaft notwendig, und auch die Betreuung von Flüchtlingen durch hauptsächlich Ehrenamtlerinnen wird problematischer. Es gilt aber, Stärke zu zeigen und trotzdem gelassen zu bleiben“.

„Gewalt gegen Frauen ist ein No Go!“, so die Bürgermeisterin, die ausdrücklich Schwelms DITIB-Gemeinde aufgefordert hat, den Integrationsprozess aktiv zu begleiten: „Bringen Sie sich ein, öffnen Sie sich und übernehmen auch Sie an dieser Stelle mit Ihren Frauen  Verantwortung für Integration!“

Heike Philipp erläuterte die Bandbreite des Angebotes der Schwelmer Willkommensinitiative, die u.a. ein Warenhaus für Flüchtlinge eingerichtet hat, um die Menschen mit Geschirr, Spielzeug und Kleidung zu versorgen. Man hat ein Möbelteam gebildet, ein Team für Kreatives (hier haben auch Flüchtlinge für den Schwelmer Weihnachtsmarkt gebastelt) und eine Reparaturtruppe, in der auch Flüchtlinge aktiv sind.

Außerdem wurde ein Sprachkurs auf die Beine gestellt (dafür werden noch Ehrenamtliche gesucht), und auf Stadtrundgängen wird Flüchtlingen erläutert, wo sie in Schwelm welche Einrichtung erreichen können. Von der gemeinsamen Weihnachtsfeier bis zur Übersetzung von deutschen Texten ins Arabische reicht das weite Spektrum der Initiative, die auch das städtische Willkommenscafé übernommen hat. Zu den Wünschen von Heike Philipp und ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern zählen die Bildung einer Schüler-Auffangklasse und die Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge. Peter Eibert vom städtischen Fachbereich Familie und Bildung verwies darauf, dass zwei Auffangklassen in Arnsberg beantragt worden seien, eine für die Realschule und eine für das Gymnasium. .

Für eine Gruppe engagierter Flüchtlingspaten stellte Klaus Hufnagel eine Sprachgruppe vor, die von der Caritas unterstützt wird. „Wir sind 16 Lehrende und 25 bis 30 Lernende, das ist ein ideales Betreuungsverhältnis“, so Hufnagel. Der Sprachunterricht soll auf einen zweiten Vormittag ausgeweitet werden. Die Erfahrung zeige, dass weitere Betreuungsaufgaben sich anschlössen. Mit Stolz teilte der Flüchtlingspate mit, dass zwei der Mädchen aus diesem Sprachkurs inzwischen das Märkische Gymnasium besuchen. Mit Blick auf die Kölner Vorgänge stellte er fest: „Was in Köln geschehen ist, ist auch für die große Zahl der Menschen, die hier eine neue Heimat suchen, sehr schlimm.“

Der Kinderschutzbund bietet die Sprachförderung für Seiteneinsteiger an, die von der Vermittlung der ersten deutschen Worte bis zur Lehre der korrekten Grammatik reicht, und unterhält zudem die Hausaufgabenbetreuung.

Hinzugekommen, so Claudia Haar, sei eine Spielgruppe für Kinder, die noch nicht in den Kindergarten oder die Schule gehen dürfen. Die Mütter erlernen derweil die deutsche Sprache.

Mit 200 Kindern hat der Kinderschutzbund eine Sommerfreizeit durchgeführt, in der auch traumatisierte Kinder wieder Lachen lernen konnten. Außerdem läuft ein erfolgreiches Projekt mit dem Tauchsportclub, dem einige der Flüchtlingskinder sogar beigetreten sind.

Flüchtlingspatin ist auch Dr. Astrid Seckelmann, die erleben durfte, dass die Betreuung einer persischen Frau die Bildung eines Sprachkurses für andere persische Frauen zur Folge hatte.  

Des Weiteren schilderte der Unternehmer Ralf Stoffels seine kaum vorstellbaren Bemühungen, Flüchtlinge in Praktika bzw. Arbeit zu bringen. Deutschland sei in diesem Punkt überverwaltet.

Man erfuhr auf dem 2. Schwelmer Flüchtlingsgipfel zudem, dass es an den Universitäten Wuppertal und Bochum Anlaufstellen für (angehende) Akademiker unter den Flüchtlingen gibt und dass der EN-Kreis eine Stelle für Bildungskoordination beantragt hat. Ein Vertreter des Kommunalen Integrationszentrums beim EN-Kreis informierte ferner über eine Datenbank, die alle Integrationsangebote aufführen wird und die im Februar freigeschaltet werden soll.

Mit Aufmerksamkeit wurden auch die Worte von Saraswati Albano-Müller aufgenommen, die daran erinnerte, dass auch die seelischen und geistigen Bedürfnisse der Flüchtlinge wichtig seien und dass es auch auf die gegenseitige Achtung der Religionen ankomme.

Schwelm, den 15. Januar 2016

 

 

Rund 150 Bürgerinnen und Bürger, darunter zahlreiche Ehrenamtliche, nahmen am Flüchtlingsgipfel teil.
Die beiden Oberbrandmeister mussten prompt zum Zeitpunkt ihrer Ehrung zu einem Einsatz ausrücken, so dass ihre Würdigung nachgeholt werden musste. Unsere Fotos zeigen Bürgermeisterin Gabriele Grollmann und den Beigeordneten Ralf Schweinsberg mit Beate Erfurt, Andreas Koch, Stefan Backhaus und Kai Voigtländer. Für den Fachbereich Zentraler Service gratulierte Petra Heringhaus (Ltg.), für den Fachbereich Familie und Bildung Peter Eibert (Ltg.) und für den Fachbereich Bürgerservice Christian Rüth (Ltg.) Für den Personalrat beglückwünschte Birgit Fischer die Jubilarin und die Jubilare. Fotos: Stadtverwaltung Schwelm / Heike Rudolph
Hatte zum 2. Schwelmer Flüchtlingsgipfel eingeladen: Schwelms Bürgermeisterin Gabriele Grollmann, hier mit Peter Eibert, Sabine Stippel-Fluit, Heinz Georg Thier und Musa Altundag.
Heike Philipp stellte das breite Spektrum der Schwelmer Willkommensinitiative vor.
Flüchtlingspate Klaus Hufnagel unterrichtet mit 15 Mitstreiterinnen und Mitstreitern 25 bis 30 Flüchtlinge. Stadtverwaltung Schwelm / Heike Rudolph
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