Ausstellung im Haus Martfeld / Fotografie und Skulptur in mittelalterlicher Burg: Ilse & Lutz Wecker: Positionen!

Stellen Künstlerpaare gemeinsam aus, erliegen Besucherinnen und Besucher häufig der Versuchung, im Werk beider nach Parallelen, Inspirationen in die ein oder andere Richtung zu forschen. Dieser Impuls wird sich in der Ausstellung „Ilse und Lutz Wecker: Positionen – Fotografie und Skulptur“, die am 18. September im Museum Haus Martfeld in Schwelm eröffnet worden ist, eher nicht unwillkürlich einstellen.

Ausgestellt sind Arbeiten aus jüngerer Zeit die, vornehmlich bei Ilse Wecker, die persönliche Wahrnehmung der drastischen Pandemieeinschränkungen reflektieren. Mit der siebenteiligen Fotoserie „quiet time positiv“ reagiert sie auf die sozialen Folgen des Lockdowns. In privater Zurückgezogenheit sind Gräser, Zweige, Blumen, Gemüse zu Stillleben arrangiert. Entgegen traditionellen flämisch-holländischen Beispielen des Genres, in denen Vergänglichkeit dezent angedeutet wird, ist hier der welke Zustand unübersehbar. Der schwarze Hintergrund betont zudem die Vanitas-Botschaft, lässt die Inszenierung plastisch und konturiert hervortreten. Als wiederkehrendes Kompositionselement verleiht die hohe Glaskaraffe mit Schliff den Arbeiten eine kostbar-luxuriöse Note, wie es von den barocken Prunkstillleben vertraut ist. Die melancholische Aura der Serie ist nicht unmittelbar zu erfassen. Es braucht einen Moment der Nahsicht, um die morbide Ästhetik wahrzunehmen.

„Fast surreal“, so Museumsleiterin Dr. Bärbel Jäger, „wirken hingegen die Negativ Abzüge dieser Stillleben Folge („quiet time negativ“). Das Moment des Vergänglichen verkehrt sich hier ins fragil-zart Malerische. Einzig der drapierte Mund-Nasen-Schutz einer Aufnahme verweist auf den Kontext der Pendant-Serie“.

2018, vor der pandemischen Zäsur, reist Ilse Wecker in die Bretagne und auf die Ile de Re´. Die dort fixierten Landschaften strahlen eine meditative Ruhe aus, die u.a. in der gleichmäßig horizontalen Perspektive sowie der strengen Komposition begründet liegt. Durch feine Abstufungen von Grau-Schwarz-Weiß-Tönen muten sie wie fotografische Grisaillen an. Bis heute ist Ilse Wecker von der dunstigen Stimmung und den natürlichen Landschaftsformationen fasziniert.

Die konsequente Hinwendung zur Natur, ob in den verschiedenen Themen, denen Ilse Wecker mit der Kamera auf der Spur ist, oder dem unbedingten Umgang mit dem Material bei Lutz Wecker, kann als gemeinsame Konstante im Schaffen des Paares ausgemacht werden.

Unterschiedliche Holz-und Steinarten, häufig Abfallprodukte aus der Forstwirtschaft oder Steinbrüchen, unter teils abenteuerlichen Umständen selbst abtransportiert, seltener Metallschrott, sind Werkstoff für Lutz Weckers Skulpturen, von Handteller- bis überlebensgroß. Dr. Bärbel Jäger: „Der Bearbeitung geht konzentriertes Betrachten des Werkstücks auf der Suche nach organischer Textur, Zeichnung, voraus, die seine Hand führt. Beispielhaft für den kraftaufwendigen, gleichzeitig sensiblen Prozess ist die abstrakte Arbeit aus poliertem Laaser Marmor, durchzogen von grauen Adern in organisch aufstrebenden Formen, die farblich wie formal ungemein ausdrucksstark wirkt. Oder der Kopf eines vogelartigen Wesens mit glatten Augäpfeln in rau belassene Lidfalten gebettet und massiv vorkragendem Schnabel, dem etwas Urzeitliches, jedoch nicht Bedrohliches innewohnt. Wecker scheut keine physische Herausforderung, die Format und Material ihm abverlangen, experimentiert gerne mit dessen Eigenschaften und verwandelt so wenig, wie es nach subjektivem Empfinden das Vorhandene erlaubt“.

Als ausdrückliches Gemeinschafts-Werk und Statement ist auch „Vivat Pax“, eine Installation von bedrückender Aktualität, in der bergisch-märkischen Festung Haus Martfeld zu sehen.

Ausstellung: Ilse und Lutz Wecker: Positionen – Fotografie und Skulptur. 18.9. – 20.11.2022, Museum Haus Martfeld. Martfeld 1, 58332 Schwelm. Öffnungszeiten: dienstags von 14 bis 17 Uhr; samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr.

Schwelm, den 21. September 2022

Blick in die aktuelle Sonderausstellung „Ilse & Lutz Wecker: Positionen“ im Haus Martfeld, die bis zum 20. November dieses Jahres besucht werden kann. Foto: Haus Martfeld
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