Anstiftung zu einem demokratischen Sprachgebrauch

Warum ist Sprache so wichtig? Sprache ist unser wichtigstes Mittel, um uns zu verständigen und mitzuteilen. In ihr drücken wir Werte und Normen aus und prägen unsere Gesellschaft. Durch Sprache entstehen Bilder in unseren Köpfen. Werden nur Männer genannt, spiegelt sich das in unseren gedanklichen Vorstellungen wider.

An wen denken Sie, wenn von "Chefsekretär" die Rede ist? Und bei "Chefsekretärin?" Der "Duden" vergibt hier eindeutige Rollen: Chefsekretär meint in erster Linie den leitenden Funktionär einer Organisation, bei der "Chefsekretärin" ist an erster Stelle die Sekretärin des Chefs gemeint.

Sprache prägt unser Bewusstsein darüber, welche Rollen Frauen und Männer in unserer Gesellschaft einnehmen und was wir ihnen zutrauen. Sprache kann ausgrenzen, Rollenbilder verfestigen oder durch einen sensiblen Gebrauch alle Geschlechter sichtbar machen, Rollen erweitern und eine vielfältige Gesellschaft prägen. Für Menschen, die sich weder als Frauen oder Männer beschreiben können oder wollen gilt dies noch viel mehr. Ihre Existenz wurde lange schlichtweg geleugnet.

Alle sichtbar machen!

Soweit die Theorie. In der praktischen Umsetzung ist vor allem Kreativität gefragt. Wir können wählen zwischen weiblicher und männlicher Ansprache (Bürgerin und Bürger) und geschlechtsneutralen Formulierungen (Bürgerschaft), oder Satzumbauten (alle, die in dieser Stadt leben). Je nach Zusammenhang und Zielgruppe kann das "Gender-Sternchen" und andere Abkürzungen alle Geschlechter abbilden und für eine flüssige Schriftsprache sorgen (Beispiel: Bürger*in).

Überholt ist die Verwendung der männlichen Form in Verbindung mit dem traditionellen "Mitgemeintsein" von Frauen.  Sie trägt nachweislich zur Benachteiligung von Frauen bei. Werden z.B. "Experten" für ein Gremium gesucht, sind die Vorstellungen der Agierenden dazu bereits eher männlich geprägt. Frauen fühlen sich nicht in gleicher Weise angesprochen.

Sprache ist vor allem eine Frage der Haltung. Sie zeigt Wertschätzung gegenüber allen Menschen, unabhängig ihres Geschlechts. Durch die Ansprache und Benennung aller Geschlechter werden enge Rollenbilder aufgehoben. Geschlechtergerechte Sprache beinhaltet, dass sowohl Frauen wie Männer für verschiedene Tätigkeiten geeignet und befähigt sind.

Mut zur Kreativität: Sprache und Gesellschaften sind wandelbar

Auch wenn es anfangs noch ungewohnt ist: Es lohnt sich, mit Sprache zu experimentieren und neue Sprachroutinen zu entwickeln.  Dabei gibt es nicht den einen richtigen Weg oder starre Regeln. Sprache ist vielmehr wandelbar. Sie bildet soziale Verhältnisse ab und kann diese zugleich verändern. Ein geschlechtsumfassender Sprachgebrauch schafft neue soziale Wirklichkeiten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit.

Tipps für einen gelingenden Sprachgebrauch: www.geschicktgendern.de; www.frauenbueros-nrw.de/ Themen/ Geschlechtergerechte Sprache; Leitfaden für eine gendergerechte Sprache für den Regionalverband Ruhr, 2017

(Eine Pressemitteilung der Ennepe-Ruhr-Kreisverwaltung)

Schwelm, den 29. Juli 2019

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