Grußwort des Schwelmer Bürgermeisters zum Volkstrauertag: „Der Gewalt schon im Ansatz wirksam begegnen!“

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

heute ist Volkstrauertag. Seit Jahrzehnten gedenken wir an diesem Tag der Opfer von Kriegen, Gewalt, Vertreibung, Unterdrückung und Zwangsarbeit weltweit.

In diesem Jahr ist vieles anders, ausgelöst durch die Corona-Pandemie. In Abstimmung mit dem Ältestenrat hat die Stadt Schwelm nicht zu einer öffentlichen Gedenkstunde eingeladen. Auch der Bürgerverein Linderhausen hat davon Abstand genommen.

So hat heute lediglich zunächst am Gedenkstein in Linderhausen und dann auf dem Gräberfeld der ehemaligen Zwangsarbeiter/innen auf dem Friedhof Oehde ein stilles Gedenken in Form einer Kranzniederlegung stattgefunden. Teilgenommen daran haben neben mir unser Feuerwehrchef Matthias Jansen, aus Linderhausen Pfarrer Rainer Schumacher, die Bürgervereinsvorsitzende Dr. Ilona Kryl und Hans-Georg Müller (ehem. Vorsitzender des Linderhauser Vereinsrings), die stellv. Bürgermeisterin Christiane Sartor sowie Rolf Steuernagel als 2. Kreisvorsitzender des Sozialverbandes Iserlohn-Hagen und Klaus Seißer, der 2. Vorsitzende des VdK Schwelm.

Wir sind in diesem Jahr am Volkstrauertag eher privat und in der Stille mit unseren Gedanken und Gefühlen bei denen, die die gegen sie ausgeübte Gewalt jedweder Art nicht überlebten oder aber von ihr schwer, ja oft lebenslang körperlich und seelisch gezeichnet wurden.  

Es hat lange gedauert, bis man anerkannte, dass Kriege auch zahllose zivile Opfer fordern. Es brauchte noch viel mehr Zeit, um zu erkennen, dass Gewalt Langzeitfolgen in Menschen auslöst, die über Generationen hinweg reichen.

Ob der Bürgerkrieg in Syrien, ob die Kämpfe um Berg-Karabach, ob Verfolgung und Mord aus Glaubensgründen, aus wirtschaftlicher Vorteilsnahme oder um ein zerfallendes Herrschaftsgebiet mit Macht zusammenzuhalten: Immer wieder erschreckt uns aufs Neue, wie unerwartet ein Krisenherd ausbrechen kann und wie furchtbar die Folgen für die betroffenen Menschen sind.

Wie Sie habe auch ich keine Lösung für diese grausamen Konflikte, Scharmützel und Kriege: Ich bin aber der festen Überzeugung, dass demokratisches Denken und Handeln die beste unserer Möglichkeiten darstellt, um Gewalt schon im Ansatz wirksam zu begegnen. Freilich braucht die Demokratie, die ja kein Zustand, sondern ein Prozess ist, dafür auch unsere stetige Unterstützung.

Was an Wunderbarem geschehen kann, wenn man einander achtet, führt uns die deutsch-französische Freundschaft vor Augen: Versöhnung wurde möglich, aus Gegnern wurden Freunde. Charles de Gaulle und Konrad Adenauer haben nichts weniger mitgeformt als ein auf Freiheit, Frieden und gegenseitiger Achtung beruhendes Europa. Ich habe dies auch unseren Städtepartnerschaftsfreunden in Saint-Germain-en-Laye geschrieben, in das Fourqueux ja eingemeindet wurde. Auch in Ihrem Namen, liebe Schwelmerinnen und Schwelmer, habe ich Bürgermeister Arnaud Péricard und Daniel Level herzlich gegrüßt.

So verbinde ich mit der Trauer um die zahllosen Opfer von Gewalt, die uns immer Mahnung sein müssen, gerade am Volkstrauertag auch die Hoffnung, dass wir unsere Gesellschaft vor Schaden bewahren können. Dafür braucht es unser aller Kraft. Gewalt beginnt im Kleinen, und so sollten wir uns auch und gerade im Alltag gegen jene verwahren, die uns zur Geringschätzung und Ausgrenzung anderer drängen oder verführen wollen.

Ich grüße Sie sehr herzlich

Ihr

Stephan Langhard

Bürgermeister von Schwelm

 

Wegen der Corona-Pandemie fand am heutigen Volkstrauertag am Gedenkstein in Linderhausen und am Gräberfeld der ehemaligen Zwangsarbeiter/innen an der Oehde lediglich ein stilles Gedenken statt.
Für Bürgermeister Stephan Langhard steht fest: "Gewalt beginnt im Kleinen, und so sollten wir uns auch und gerade im Alltag gegen jene verwahren, die uns zur Geringschätzung und Ausgrenzung anderer drängen oder verführen wollen!" Fotos: Stadtverwaltung Schwelm / Heike Rudolph
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