Das Stadtarchiv Schwelm blickt auf eine lange Tradition zurück, die sich über mehr als fünf Jahrhunderte zurückverfolgen lässt und im Stadtarchiv Schwelm mit dem angeschlossenen stadtgeschichtlichen Museum Haus Martfeld anschaulich repräsentiert ist.

Seit den Anfängen kommunaler Selbstverwaltung im Zusammenhang mit den Stadtrechtsverleihungen von 1490 und 1596 wurden anfallende Schriftgüter der Munizipalität verwaltet und verwahrt. Trotz der zahlreichen Wirren von Kriegen und Stadtbränden und der damit einhergehenden Zerstörung von Schriftgut konnten Dank der Sammelleidenschaft verschiedener Lokalgelehrter wichtige Dokumente über die Zeit gerettet und bewahrt werden.

Bedeutende Urkunden reichen bis in die Zeit des mittelalterlichen Gogerichts und Kirchspiels Schwelm zurück, das im Hochmittelalter in etwa den Bereich des gesamten südlichen Ennepe-Ruhr-Kreises und darüber hinaus die östlichen und nordöstlichen Bereiche des heutigen Wuppertals umfasste und dessen vorstädtisches Zentrum die Minderstadt zu Schwelm mit ursprünglich königlichem Herrenhof, einziger Pfarrkirche des Kirchspiels und Markt darstellte.

Die hieraus resultierende Bedeutung Schwelms für die Region schlägt sich mithin auch in den zahlreichen historischen Archivalien vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit nieder.

Eine früh einsetzende Industrialisierung mit ländlichem Gepräge bestimmte den weiteren Werdegang der Ackerbürgerstadt Schwelm, wobei die wirtschaftlichen Schwerpunkte - mit Ausnahme während der beiden Weltkriege - bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus zu etwa gleichen Teilen auf der Metallverarbeitung der Textilherstellung lagen.

Eine grundlegende Neukonzeption des Stadtarchivs, die mit Hilfe hauptamtlicher und tatkräftiger ehrenamtlicher Mitarbeiter umgesetzt wird, will dem digitalen Zeitalter des 21. Jahrhunderts Rechnung tragen. Die maßgeblichen Ziele sind dabei die Erhaltung und Neuordnung der Archivalien und gleichzeitige Nutzbarmachung durch Erstellung praktikabler Digitalisate.

Die Öffentlichkeitsarbeit besteht in Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv ab 1951, Ausstellungen, Vorträgen, Lesungen und Archivführungen in Verbindung mit Archivpädagogik.

 

Die nachfolgende Übersicht vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Bestände.

Verwaltungsschriftgut: Stadt und Mairie Schwelm 1572 bis 1821; Bürgermeisterei, Amt und Stadt Schwelm 1815 bis 1878; Mairien Ennepe, Haßlinghausen, Langerfeld und Volmarstein 1808 bis 1811; Bürgermeisterei Ennepestraße 1825 bis 1827; Gemeinde Linderhausen 1779 bis 1970; Polizeiverwaltung 1885 bis 1950; Verwaltungskartei der Stadt Schwelm 1875 bis 1950; Einwohnermeldekartei; Personenstandsregister; Einzelakten der Stadtverwaltung Schwelm seit 1875.

Nachlässe: Im Stadtarchiv Schwelm werden zahlreiche Nachlässe von Firmen, Vereinen und Verbänden, aber auch von stadtgeschichtlich relevanten Privatpersonen und namhaften Familien aufbewahrt. Darunter befinden sich u.a.: Engelbert Wuppermann & Sohn (Depositum jetzt im Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Dortmund), Friedrich Erfurt & Sohn, Freimaurerloge zum Westfälischen Löwen, Verein für Heimatkunde Schwelm, Verkehrsverein Schwelm, Haus Martfeld, Kloster Gevelsberg, Haus Göckinghof, Haus Hofe, Nachlässe Emil Böhmer und Moritz Bölling.

Sammlungen: Audiovisuelle Medien (Fotografien ab 1845, Filme ab 1930, Videofilme, Vinylschallplatten); Karten und Pläne ab 1590; genealogische Sammlungen (reduzierter Bestand); ortsgeschichtliche Sammlungen; schulpädagogisches Anschauungsmaterial; lokale und überregionale Zeitungen ab 1823 (u.a. Hermann 1823 bis1830, mit Lücken); Wochenblatt für den Land- und Stadtgeschichtsbezirk Schwelm (1834 bis 1848, mit Lücken); Der Beobachter der Bergisch-Märkischen Eisenbahn (1849 bis 1864, mit Lücken); Schwelmer Zeitung (1864 bis 1980); Schwelmer Tageblatt (1897 bis 1930); Westfalenpost (1950 bis 2005); Westfälische Rundschau (1950 bis 2005); Zeitungsausschnittsammlung (1955 bis 1995).

Bibliothek: Archivbibliothek im Neuaufbau (Stadt- und Regionalgeschichte); Historische Bibliothek mit Handschriften ab dem 13. Jahrhundert und frühe Druckwerke ab dem 16. Jahrhundert, Nachschlagewerke und wissenschaftliche Abhandlungen ab dem 16. Jahrhundert; Verwaltungsbibliothek mit Adressbüchern ab 1828 (mit Lücken); Sammlung Schwelmer Druck- und Verlagserzeugnisse.

 

Ausgewählte Literatur zur Stadtgeschichte:

- Emil Böhmer, Geschichte der Stadt Schwelm. Schwelm 1950.

- Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung, 1951 ff.

- Kulturamt der Stadt Schwelm (Hrsg.), Quellen und Untersuchungen zur Geschichte der Stadt Schwelm. Schwelm 1975 ff.

- Gerd Helbeck, Schwelm. Geschichte einer Stadt und ihres Umlandes. Schwelm 1995.

- Cornelia Hackler, Die frühe Besiedlungsgeschichte und Wasserwirtschaft der Stadt Schwelm im Lichte archäologischer Betrachtungen. Archäologie im Ruhrgebiet 1991, 125-194.

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