Fachkompetent, führungsstark und ein Freund des Heimatfestes: Zum Tode von Schwelms früherem Stadtdirektor Jürgen Kulow

Die Stadtverwaltung Schwelm informiert darüber, dass der frühere Schwelmer Stadtdirektor Jürgen Kulow nach Angaben seiner Ehefrau am 22. April 2026 verstorben ist.

Bürgermeister Stephan Langhard: „Ich spreche Frau Kulow und der Familie von Jürgen Kulow das tief empfundene Beileid des Rates und der Verwaltung der Stadt Schwelm aus. Ich habe Jürgen Kulow persönlich nicht kennengelernt, nehme aber wahr, dass man mit Hochachtung von ihm sprach und spricht. Wie ich erfahren habe, galt unser früherer Stadtdirektor als ausgesprochen fachkompetent sowie als meinungs- und führungsstark. Jürgen Kulow war zudem sehr interessiert an einer guten Entwicklung nicht nur der Stadtverwaltung, sondern der Stadt Schwelm im Ganzen.“

Jürgen Kulow geboren 1944 in Wilhelsmhaven studierte nach dem Abitur Rechts- und Staatswissenschaft an der Phlipps- Universität Marburg. Nach der ersten juristischen Staatsprüfung 1970 absolvierte er die Referendarausbildung beim Oberlandesgericht Hamm.1973 nach der zweiten juristischen Staatsprüfung wurde er zum Regierungsrat zur Anstellung ernannt und beim Regierungspräsidenten in Detmold als Dezernent für Personalangelegenheiten der Grund- und Hauptschullehrer sowie für Verkehr und Kommunalaufsicht eingesetzt. Weitere Berufsetappen:

1974 Praktische Ausbildung beim Oberkreisdirektor des Kreises Herford;

1975/76: Dezernent beim Regierungspräsidenten in Detmold für Personalangelegenheiten der Realschullehrer sowie für allgemeine Schulangelegenheiten aller Schulformen;

1976 Ernennung zum Regierungsrat;

1977 bis 1980: Beigeordneter der Stadt Herford für das Rechts- und Ordnungsdezernat;

1978: Mitglied des Rechts- und Verfassungsausschusses des NW Städte- und Gemeindebundes.

Am 1. April 1980 wurde Jürgen Kulow zum Stadtdirektor von Schwelm gewählt. (seitdem auch Vorsitzender des Kreditausschusses der städtischen Sparkasse zu Schwelm.

1981erfolgte die Wahl zum stellvertretenden Verbandsvorsteher des Krankenhauszweckverbandes Ennepe-Ruhr-Süd und 1988 die Wahl zum 1. Stellvertreter des Verbandsvorstehers).

1988 dann die Wiederwahl zum Stadtdirektor von Schwelm für die Dauer von acht Jahren;

1988 Bestellung zum Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Schwelm.

Außerdem war Jürgen Kulow Mitglied des Verwaltungsausschusses beim Arbeitsamt Hagen.

Mit Ablauf des 5. Juli 1995 galt er als abberufen und in den einstweiligen Ruhestand versetzt, da der Stadt Rat am 18. Mai 1995 im Einvernehmen mit Jürgen Kulow vor Ablauf von dessen Amtszeit am 6. Juli 1995 einen hauptamtlichen Bürgermeister (Rainer Döring) gewählt hatte.

Bekanntlich war damals in NRW das Modell der Doppelspitze (Stadtdirektor als hauptamtlicher Wahlbeamter und Bürgermeister im Ehrenamt) abgeschafft worden.

Jürgen Kulow blieb zunächst als Rechtsanwalt in Schwelm tätig. In den endgültigen Ruhestand ist er offiziell nach Ablauf seiner Amtszeit zum 01.04.1996 eingetreten. 1999 hat er bekanntgegeben, dass er nach Mallorca ziehen wird, dort ist er nun verstorben.

„Mit Jürgen Kulow,“ so Stephan Langhard: „verbinden sich viele wesentliche Erinnerungen an die Entwicklungsgeschichte unserer Stadt.“

In Jürgen Kulows Amtszeit fielen u. a.

Der Bau des Freibades „Schwelmebad 1981/82, der Bau des Jugendzentrums, 1981-83; die Einrichtung des neuen Gewerbegebietes Damm 1983; Umbau und Sanierung des Haus Martfeld, der Ausbau der Innenstadt (u.a. Märkischer Platz, Kirchstraße), das Wohnbaugebiet Sternenburgstraße; die Einweihung des Rasensportplatzes „Am Brunnen“, der Neubau des Hauptsammlers Schwelm einschließlich Entlastungssammler, der Verkauf des Amtsgerichtsgebäudes.

Schon früh beteiligte er sich an der Einführung eines Konzeptes zur Parkraumbewirtschaftung und bemühte sich intensiv um ein neues Rathaus für Schwelm Schwelms Bürgermeister Stephan Langhard: „Jürgen Kulow leitete weitsichtig noch heute tragende Entscheidungen in unserer Stadtverwaltung ein“. So fiel in seine Amtszeit die Einstellung der ersten Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Schwelm, und mit der Einstellung von Markus Flocke, dem späteren Leiter der Technischen Betriebe Schwelm eröffnete Schwelm mit dem Umweltreferat eine erste Anlaufstelle für Fragen zu Ökologie, Energie und Klima.

Im Zuge des sogenannten Schenker-Brandes 1993 wurde Jürgen Kulow wie er Freunden schilderte, dienstlich und auch persönlich, von aufgeregten Bürgern z. T. recht rüde angegangen und sogar bedroht. Er trieb unbeirrt die Aufarbeitung des Unglücks und seiner möglichen Folgen für die Umwelt konsequent und mit regelmäßiger Information der Öffentlichkeit voran. Er nahm dieses Ausnahmegeschehen zum Anlass, in der Verwaltung ein Referat für Öffentlichkeitsarbeit zu verankern, das heute als Aufgabengebiet dem Amt des Bürgermeisters zugeordnet ist.

Privat war Jürgen Kulow Familienvater. Die Schwelmer erlebten ihn zuweilen unterwegs in den Straßen der Stadt mit seinem Boxerhund und zudem als sportliches Mitglied des Tennis-Clubs Blau-Weiß, dessen Ehrenmitglied er war. Sie schätzten an Jürgen Kulow, der mitunter streng sachlich wirken konnte durchaus auch eine volkstümliche Note, war er doch bekannt als Freund der Schausteller und des Schwelmer Heimatfestes. Weil er sich um das Gemeinwohl im Nachbarschaftsleben verdient gemacht hatte, wurde er 1990 von den Nachbarschaften zum Hopfenkönig gekürt.

Schwelm, den 27. April 2026

Schwelm früherer Stadtdirektor Jürgen Kulow ist jetzt an seinem Wohnort auf Mallorca verstorben.