In gelöster Stimmung fand am Heimatfestsonntag der traditionelle Empfang des Schwelmer Bürgermeisters zum Heimatfest statt. Dazu eingefunden hatten sich im Rathaus rund 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft, und den Bereichen Kultur, Sport und Soziales, von denen viele nach dem offiziellen Programm von der Ehrentribüne aus den Heimatfestzug verfolgten. Schwelms Bürgermeister Stephan Langhard konnte u.a.NRW-Ministerin Verena Schäffer begrüßen, zudem die Landtagsabgeordnete Kirsten Stich, und EN-Landrat Jan-Christoph Schaberick. In seiner Ansprache verwies Schwelms Bürgermeister auf die wissenschaftliche Entdeckung der sogenannten dunklen Materie, die als eine Art Klebstoff des Universums gelte. Sie halte Galaxien zusammen, die sonst auseinanderfliegen würden. Da sei etwas, das man nicht sehe, und nicht anfassen könne, das aber offenbar eine gewaltige Kraft besitze. Für Stephan Langhard ist diese unsichtbare Energie, die alles zusammenhält, ein Sinnbild für Stadt, Gemeinschaft und Heimatfest, die auch von Kräften leben würden, die man nicht immer sofort sehe, nämlich von Vertrauen, Hilfsbereitschaft und Verlässlichkeit. „Von Menschen, die anpacken, bevor andere überhaupt merken, dass Hilfe gebraucht wird. Von Vereinen, Nachbarschaften, Familien, Freundschaften — und manchmal auch von der stillen Geduld derer, die im Hintergrund dafür sorgen, dass am Ende alles so aussieht, als sei es ganz selbstverständlich. Das ist unsere Schwelmer Form von dunkler Materie“, steht für das Stadtoberhaupt fest - „nicht dunkel im Sinne von finster — sondern unsichtbar, verbindend, tragend, man sieht sie vielleicht nicht auf den ersten Blick. Aber man spürt sie- Wenn die Nachbarschaften zusammenstehen, wenn Menschen Verantwortung übernehmen. Auch, wenn Gäste aus Voerde und Gevelsberg kommen und zeigen: Brauchtum endet nicht an der Stadtgrenze; wenn wir miteinander feiern, miteinander lachen und uns daran erinnern, dass Zusammenhalt nicht einfach passiert — er wird gelebt.“
„Und genau dafür ist das Heimatfest so wichtig, als Symbol für Stadt ,Gemeinsinn, Solidarität, unsere Freude aneinander und unsere Bereitschaft, auch in schwierigen Zeiten beieinander zu bleiben. Oder, um es etwas weniger wissenschaftlich zu sagen: Was im Weltall die Galaxien zusammenhält, das schaffen wir in Schwelm mit Ehrenamt, Nachbarschaft und eben mit Herz. Und daher lautet das diesjährige Motto völlig zutreffend: „Use Hiärte schlött Heemefeß.“
Doch der Energie; die alles zusammenhalte, stünden leider im Umkehrschluss auch Kräfte gegenüber, die „uns auseinanderziehen wollen, wie z.B. Misstrauen, Einsamkeit, Hass, und Gleichgültigkeit.
„Wir erleben“, so der Bürgermeister, „eine Zeit voller, zumeist schlechter, Nachrichten, voller Fragen, voller Meinungen mit zu oft wenig Ahnung. Und ja, wir müssen über ernste Dinge sprechen, über Verantwortung. Über Maßhalten, über Entscheidungen, die nicht immer leicht sind. Wir stehen vor großen Herausforderungen. Doch man dürfe sich nicht von der Komplexität lähmen lassen , für komplexe Probleme gebe es keine einfachen Lösungen. Ja, wir müssen den Rotstift ansetzen. Aber wir wollen ihn nicht dort ansetzen, wo Menschen ohnehin schon am meisten tragen. Wir wollen nicht bei denen kürzen, die Halt brauchen. Nicht bei denen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Nicht bei dem, was unser Gemeinwesen im Innersten zusammenhält. Und dafür wir müssen kämpfen, um uns diese Handlungsfähigkeit zu erhalten“.
„Die Kommunale Selbstverwaltungsgarantie bedeute, dass Städte und Gemeinden vor Ort entscheiden können, was für ihre Bürgerinnen und Bürger wichtig ist: gute Schulen, sichere Straßen, eine verlässliche Feuerwehr, lebendige Vereine, Kultur, Sport und soziale Angebote.
Die kommunale Selbstverwaltung sei ist nicht irgendein Verwaltungsprinzip, sie ist ein verfassungsrechtliches Versprechen: Städte und Gemeinden sollen ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich gestalten können — nah bei den Menschen, nah an ihren Sorgen, nah an ihrem Alltag. Doch dieses Versprechen braucht mehr als schöne Worte. Es braucht die finanziellen und organisatorischen Spielräume, damit Verantwortung vor Ort nicht nur getragen, sondern auch wirksam ausgefüllt werden könnten.“
Stephan Langhard: „Doch unsere Finanzhoheit gerät massiv unter Druck, wenn die finanzielle Lage zur Katastrophe wird. Denn wer keine Spielräume hat, entscheidet nicht mehr wirklich frei, sondern verwaltet vor allem Mangel. Dann wird aus Selbstverwaltung schnell Selbstbeschränkung. Wenn Kommunen nur noch Pflichtaufgaben erfüllen können und alles andere unter Finanzierungsvorbehalt steht, leidet nicht nur der Haushalt — dann leidet auch das Vertrauen der Menschen in die Handlungsfähigkeit des Staates vor Ort.
Deshalb müssen wir klar sagen: Kommunale Selbstverwaltung darf kein schönes Verfassungsversprechen auf dem Papier bleiben. Sie braucht eine solide finanzielle Grundlage. Denn Demokratie beginnt vor Ort — aber sie kann dort nur stark sein, wenn Städte und Gemeinden auch die Mittel haben, ihre Verantwortung wirklich wahrzunehmen.
Und genau hier berühren sich Finanzpolitik und Demokratie. Denn Demokratie zeigt sich nicht nur darin, dass Entscheidungen getroffen werden. Sie zeigt sich darin, wie wir sie treffen. Ob wir erklären, warum etwas notwendig ist. Ob wir zuhören, bevor wir entscheiden. Ob wir die Lasten gerecht verteilen. Und ob Menschen am Ende das Gefühl haben: Ich werde nicht übersehen.“
Gerade deshalb sei unser Heimatfest so viel mehr als ein schönes Ereignis im Kalender. Es sei ein Ort des Miteinanders. Ein Ort, an dem Gemeinsinn nicht nur beschworen, sondern erlebt werde.
In einer Welt, die oft abstrakter, digitaler und manchmal auch kälter wirke, schenke uns dieses Fest etwas, was wir dringend bräuchten: echte Begegnung. Ein Lächeln. Ein Gespräch. Einen gemeinsamen Moment. Das Gefühl: Ich gehöre dazu.
Genau darin liege seine besondere Kraft. Denn Demokratie beginne nicht erst im Plenarsaal oder im Rat der Stadt. Sie beginnt dort, wo Menschen nicht übereinander reden würden, sondern miteinander.
Dort, wo Unterschiede nicht verschwinden müssten, aber für einen Moment zurücktreten können, weil etwas Größeres sichtbar wird: gemeinsame Verbundenheit.
Schwelms Bürgermeister sieht diese Kraft überall in unserer Stadt – bei den Menschen, die das Brauchtum pflegen, in den Vereinen, in der Wirtschaft. Und besonders bei den Nachbarschaften, die den Festzug tragen.
Stephan Langhard: „Das ist unser gemeinsames Zeugnis: Wir sind ein starkes Schwelm!
Würdigung des Schwelmer Ehrenbürgers Wilhelm Erfurt
Damit leitete das Stadtoberhaupt über zur Würdigung des Schwelmer Ehrenbürgers Wilhelm Erfurt, den er als eine der tragenden Säulen von Verbundenheit und Gemeinsinn in Schwelm bezeichnete.
Stephan Langhard würdigte die „unglaubliche Leistung und das tiefe Engagement“, das Wilhelm Erfurt seit vielen Jahren für Schwelm zeige. „Ihre Ernennung zum Schwelmer Ehrenbürger am 19. Januar 2006 war ein Zeichen der Anerkennung, das einst von meinem Vorgänger, Dr. Jürgen Steinrücke, angeregt und einstimmig von allen Parteien unterstützt wurde und sich in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal jährt.
Seit 20 Jahren füllen Sie dieses Ehrenamt mit so viel Größe, Freude und Würde aus. Sie sind ein aufmerksamer Beobachter und engagierter Förderer unserer Stadtgesellschaft, deren Entwicklung Sie mit großem Interesse verfolgen.
Ihr Herz schlägt besonders für unser /Ihr Haus Martfeld, wo Sie die kammermusikalische Reihe „Martfeld Klassik“ zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben. Auch durch Ihre Stiftung geben Sie unserer Stadt wertvolle finanzielle und ideelle Unterstützung für kulturelle und umweltbezogene Projekte.“
Und weiter: Wir lieben es, wie Sie immer offen für Neues sind. Ich erinnere mich gern, wie wir 2024 den Weihnachtsmarkt am Haus Martfeld gemeinsam eröffnet und damit einen so stimmungsvollen Moment für unsere Stadt gemeinsam erlebt haben.
Die Lebensleistung des Ehrenbürgers sei beeindruckend: Wilhelm Erfurt war Sie nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer und ein engagierter Kommunalpolitiker von Schwelm, sondern auch stellvertretender Bürgermeister seiner Heimatstadt.“
„Was mich aber besonders bewegt“, so Schwelms Stadtoberhaupt, „sei Wilhelm Erfurts unerschütterliche Haltung zu unserer Demokratie. Sein Grußwort zur Demonstration für ‚Rechtsstaat und Demokratie‘ im Februar 2024 habe nach all den Jahren noch heute Bedeutung und es erinnere daran, wie wichtig es ist, für menschliche Werte einzustehen. Wilhelm Erfurt hatte u.a. geschrieben: ‚Ich habe viele Krisen in Deutschland erlebt, aber auch große Hoffnung und viel Stärke und Entschlossenheit, um Nöte zu bewältigen. Gelungen ist uns das auf dem Boden unserer besonderen Gesellschaftsform, die den einzelnen achtet und schützt und uns immer zum Miteinander anhält‘.“
Unter großem Applaus der Gäste des Empfangs dankte er Wilhelm Erfurt noch einmal sehr herzlich für dessen stetiges, tiefes und inspirierendes Wirken für Schwelm. Als äußeres Zeichen seines Dankes und alsGeschenk zum 20-jährigen Jubiläum überreichte er Schwelms Ehrenbürger etwas „Besonderes, das nicht mehr im freien Verkauf erhältlich ist. Destillierte Zeitgeschichte, die Erinnerung an einen Teil unserer Stadtgeschichte, der Schwelmer Bierbrand, der im Übrigen nicht unbedingt getrunken werden muss, da er sich auch in der Vitrine gut macht“.
Wilhelm Erfurt bedankte sich seinerseits mit herzlichen Worten für die Würdigung, lobte den Bürgermeister rief dazu auf, dass jeder etwas für die Stadtgemeinschaft leisten könne und dankte den bereits für ihre Heimat aktiven ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürgern. Nach eigenen Worten bedeutet ihm die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt von allen Auszeichnungen, die er im Laufe seines Lebens erhalten hat, und für die er dankbar sei ,am meisten.
Als weiteren besonderen Gast begrüßte Stephan Langhard Verena Schäffer, die Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, deren Anwesenheit er als „Zeichen der Wertschätzung und einen wichtigen Impuls für unsere gemeinsame Arbeit“ wertete. Als Bürgermeister einer Stadt, die finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, möchte er die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, auf die kommunale finanzielle Dramatik zu sprechen zu kommen, die bittere Realität sei. Er wandte sich mit der herzlichen Bitte an die Ministerin, die Beschreibung der Schwelmer Lage mit nach Düsseldorf zu nehmen. Die Situation der kommunalen Haushalte sei nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine politische und demokratische Herausforderung.
Heimatpreis 2026
Auf den Gast aus Düsseldorf, warteten noch sehr angenehme Aufgaben. So überreichte die Ministerin, die wie Stephan Langhard und Wilhelm Erfurt die Bedeutung von Gemeinsinn und Herz für den Zusammenhalt in einer Kommune betonte, gemeinsam mit Schwelms Bürgermeister, den Heimatpreis 2026 und den Integrationspreis 2026.
„Beim Heimatpreis steht das Wirken für die Heimat, also für unser aller Schwelm im Mittelpunkt“, so Stephan Langhard. „Wir loben diesen wichtigen Preis jedes Jahr aus, das Land NRW stiftet das Preisgeld von 5.000 Euro.
Der Heimatpreis 2026 ging nach einstimmigem Votum des Ältestenrates der Stadt Schwelm an die Wilhelm-Erfurt-Stiftung für Kultur und Umwelt Schwelm, die Wilhelm Erfurt 1996 gegründet hat. „Unter seiner Vision verbindet die Stiftung seit 30 Jahren historische Aufbereitung (Restaurierung von Büchern, Publikationen zur Stadtgeschichte und der Geschichte zum jüdischen Leben ins Schwelm, Vortragsreihe ‚Altes neu entdeckt‘) mit ökologischer Verantwortung (Waldjugendspiele, Messstationen, Renaturierung der Schwelme, Leitfaden ‚Zukunft Stadtbaum‘)“, führte Schwelms Bürgermeister aus. Außerdem unterstützt die Stiftung soziale Integration (Musikinstrumente für Flüchtlingskinder) und ehrt Bürgerinnen und Bürger für deren Engagement im Bereich Heimatkunde. Durch persönliche Verbundenheit mit Schwelm und die konsequente Umsetzung ihrer Ideale, schaffe die Stiftung nachhaltige Kultur‑ und Umweltimpulse – genau die Werte, die der Schwelmer Heimatpreis würdige. „Die Wilhelm‑Erfurt‑Stiftung leistet seit 30 Jahren unverzichtbare Unterstützung in unserer Stadt und ist daher im Jubiläumsjahr die ideale Preisträgerin 2026“, heißt es in der Begründung für die Vergabe.
Verena Schäffer überreichte den Preis an Stiftungssprecherin Felicitas Erfurt-Gordon, geschäftsführende Gesellschafterin der Erfurt & Sohn KG, die das Familienunternehmen, das 2028 200 Jahre alt werden wird, in achter Generation führt. Die Sprecherin bedankte sich ihrerseits sehr herzlich und betonte, dass in der ehrenamtlich arbeitenden Stiftung viel Fachlichkeit zusammenkomme und die Beiratsmitglieder einander menschlich verbunden seien. Man wollen nun die große Freude über den wichtigen Preis mit anderen Ehrenamtlern aus Schwelm teilen und stifte das Preisgeld daher umgehend. Je 1.000 Euro erhalten die Feuerwehr Schwelm, die in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden ist, und der zweite große Schwelmer Jubilar, das DRK Schwelm, das seit 125 Jahren besteht. Außerdem bedenkt die Stiftung mit je 1.000 Euro den Kinderschutzbund Schwelm, den rührigen Brauereiverein Schwelm und das Haus Martfeld für dessen Teilnahme an der Internationalen Gartenschau (IGA) 2027.
Integrationspreis 2026
Groß war die Freude auch beim Empfänger des Integrationspreises, der jedes Jahr von der Stadt Schwelm ausgelobt wird und ebenfalls mit einem Preisgeld von 5.000 Euro dotiert ist.
Auch hier wurde nach einstimmigem Votum des Ältestenrates ein würdiger Preisträger gefunden, der wahrlich für Integration steht, und zwar der Stadtsportverband Schwelm, der, so der Bürgermeister, „über den Sport Begegnung, Teilhabe und Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft fördert und als zentrale Organisation des Schwelmer Sports Vereine vernetzt, Sportangebote macht und niedrigschwellige Zugänge für Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Lebenssituationen schafft.“ Gerade Sport biete einen Raum, in dem Fairness, Teamgeist, Respekt und gegenseitige Unterstützung praktisch erlebt würden.
Der Stadtsportverband mache Themen wie Soziales und Integration ausdrücklich in seiner Arbeit sichtbar und führe Menschen mit Angeboten wie dem „Sport-Aktiv-Tag“ und dem Sportkarussell an den Sport, an die Vereine und die Gemeinschaft heran. Dadurch leiste er einen wichtigen Beitrag zu Chancengerechtigkeit, interkulturellem Austausch und friedlichem Zusammenleben in Schwelm. Der Bürgermeister weiter: „Der Verband steht damit für eine integrative Stadtgesellschaft, in der Zugehörigkeit nicht von Herkunft, Sprache, Einkommen oder persönlichen Voraussetzungen abhängt.
Herzlich bedankten sich der Verbandsvorsitzende Andreas Happe und seinen Stellvertreter Klaus Mittelmann für die bedeutende Auszeichnung.
(Schwelm, den 8. September 2026)



