Närrischer Rathaussturm der Schwelmer Kolpingfamilie: Haushaltsdebatte, Spardruck und jede Menge Frohsinn

Mit lautem „Schwelm Helau!“ und karnevalistischem Kampfgeist stürmten die Närrinnen und Narren der Schwelmer Kolpingfamilie auch in diesem Jahr am Rosenmontag um Punkt 12 Uhr den neuen Ratssaal. Was für die Räumlichkeiten im neue Rathaus eine Premiere war, ist für die Schwelmer Narrengilde eine feste Tradition. Seit 1954 findet, mit gelegentlichen Unterbrechungen, diese kurzzeitige, jecke Machtübernahme statt.

Doch eine Besonderheit gab es diesmal: Ein traditionelles Prinzenpaar suchten die Feiernden vergeblich. Stattdessen führte Christian Beckmann, in seiner karnevalistischen Funktion als Sitzungspräside und außerhalb der Narrenzeit der 1. Vorsitzende der hiesigen Kolpingfamilie, das Wort. Beckmann eröffnete die Sitzung mit der klaren Ansage: „Heute ist Rosenmontag! Das Rathaus gehört den Narren!“. In seiner Rede verwies er nicht nur auf das närrische Grundgesetz, sondern stellte mit einem Augenzwinkern, auch zur eigene Situation mit dem fehlenden Prinzenpaar, fest: „Denn Karneval lebt nicht von Orden, Krönchen oder goldenen Kutschen – Karneval lebt von Gemeinschaft! Und die haben wir bei uns Kolpingern!“

Der Fokus bei der närrischen Übernahme lag in diesem Jahr auf dem Haushalt der Stadt und dem Thema Sparmaßnahmen. So wild und ausgelassen das bunte Treiben auch war, blieb von der Sparwelle auch das Buffet nicht verschont. Unter dem Motto „Denn wer spart, soll auch sparen fühlen!“ erhielt Bürgermeister Langhard zur Selbstversorgung ein Brötchen mit Butter und Belag – während die Verwaltungsangestellten sich über trockenes Knäckebrot freuen konnten.

Bürgermeister Stephan Langhard nahm’s mit Humor und neckte bei der symbolischen Schlüsselübergabe, ob etwa die Kolpingfamilie sich dieses Jahr das Prinzenpaar auch hatte sparen müssen. So ging der närrische Schlagabtausch hin und her. Und trotz aller Sparmaßnahmen war für eines ausreichend gesorgt: „Frohsinn – denn der wichtigste Posten im Etat der Stadt ist nicht gedeckelt!“, sagte Christian Beckmann am Schluss seiner Rede. Und so machte die Kolpingfamilie mit kreativer Energie und närrischem Witz deutlich, dass Zusammenhalt und Lebensfreude auch in wirtschaftlich knapperen Zeiten nicht nur Tradition und Brauchtum am Leben halten, sondern auch ein Schmunzeln durchaus erlaubt ist.

Der Rathaussturm, befeuert von Polonäsen, Gesang und guter Laune, bleibt somit ein Höhepunkt der kleinen und feinen Schwelmer Karnevalssession und zeigt: Rote Zahlen lassen sich immer besser mit Humor ertragen, solange in Schwelm Gemeinschaft, Fantasie und Frohsinn leben.

(Schwelm, den 16. Februar 2026)

 

Ausgelassen wird auch im neuen Rathaus gefeiert. Die närrische Machtübernahme durch die Kolpingfamilie am Rosenmontag ist seit 1954 feste Tradition in Schwelm. / Bildnachweis: Stadtverwaltung Schwelm, Gregor Wessely
Mit der Übergabe des Rathausschlüssels an die Närrinnen und Narren beginnt die kurzzeitige jecke Übernahme des Schwelmer Rathauses. / Bildnachweis: Stadtverwaltung Schwelm, Gregor Wessely