Martfeld Klassik startet am 4. Oktober mit russischen Klängen

Martfeld Klassik, die beliebte Kammermusikreihe, startet mit ihrem ersten Konzert am Sonntag, den 4. Oktober in die aktuelle Saison 2026/27. Der Abend blickt in den Osten und steht unter dem Motto „Vom Zaren zum Genossen“. Dabei stehen Werke von russischen Komponisten im Mittelpunkt, die vom Martfeld Quartett unter der Leitung von Liviu Neagu-Gruber (Violine) vorgetragen werden. Die weiteren Musiker des Abends sind Axel Hess (Violine), Gabriel Bala (Viola) und Joël Wöpke (Violoncello).

Zum Kanon des Konzerts gehören das Streichquartett Nr. 1 in D-Dur (Op. 11) von Piotr Tschaikowsky, das Streichquartett Nr. 2 in F-Dur „Kabardinian“ (Op. 92) von Sergej Prokofiew sowie das Streichquartett Nr. 2 in A-Dur (Op. 68) von Dimitri Schostakowitsch.

Die Werkauswahl unterstreicht das Motto des Abends und macht den Wandel vom russischen Zarenreich über die Revolution bis hin zur neuen Sowjetrepublik deutlich. Die Zuhörer erleben so eine musikalische Reise in eine geschichtliche Epoche, die für die Komponisten von den Eindrücken von Zarenglanz, Umbruch, Gewalt, dem politischen Neuanfang und letztlich die Weltkriege geprägt waren.

Piotr Illjitsch Tschaikowsky: Streichquartett Nr. 1

1871 schrieb Piotr Illjitsch Tschaikowsky sein erstes Streichquartett. Der junge Musiker, der zu diesem Zeitpunkt am Moskauer Konservatorium Musiktheorie lehrte und später durch Werke wie dem „Nussknacker“ weltberühmt werden sollte, fiel seinen Schülern bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht als Komponist eigener Werke auf. Gleichzeitig gilt bereits sein Streichquartett Nr. 1 als das erste bedeutende eines russischen Komponisten überhaupt. Uraufgeführt wurde es in prominenter Besetzung im Saal der Moskauer Adelsgesellschaft und erzielte durch seine Kompositionskunst eine zauberhafte Wirkung beim Publikum. Beschwingt, tanzbar, mit Volksweisen versetzt wechselt es die Tempi, zeigt im „Scherzo“ den Glanz der Moskauer Ballsaison und steigert sich in ein großes Finale.

Sergej Prokofiew Streichquartett Nr. 2

Mit Prokofjew macht der Abend dann einen großen Sprung ins Jahr 1941. Entstehungsort für sein Streichquartett Nr. 2 ist Naltschik, die Hauptstadt der kabardinischen Republik im Nordkaukasus, wo er sich zu diesem Zeitpunkt kriegsbedingt aufhielt. Daher auch der Titel „Kabardinian“, den das Stück erhielt. Die Komposition nimmt sich ihres Ortes an. Sie orientiert sich an der nicht-westlichen Rhythmik und Intervallik, greift lokale Lied- und Tanzmelodien auf und verbindet sie mit westlicher Kompositionstechnik. Aufgrund von Kriegswirren und Evakuierung musste dann auch die Uraufführung im Jahr 1942 verschoben werden.

Dimitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 2

Auf dem ersten Blick wirkt Schostakowitchs Streichquartett Nr. 2, dass 1944 in nur 19 Tagen im „Haus der Kreativität und Ruhe“ in Ivanovo fertig gestellt wurde, wie eine „loyale Antwort auf den Großen Vaterländischen Krieg“ mit seinen Anspielungen auf russische Volksmusik. Doch bei genauerer Betrachtung trügt der Schein. Durch das Einbinden von geistlicher und Klezmer-Musik der osteuropäischen Juden enthielt es auch ein Statement für Mitgefühl. Denn diese Gruppe wurde in Russland und Osteuropa im Laufe der Geschichte stätig unterdrückt. Ebenso trugen die Berichte über Gräueltaten aus den Konzentrationslagern von Nazideutschland bei.  

Zuhörerinnen und Zuhörer sind herzlich zum Eröffnungskonzert eingeladen. Nach dem Auftakt macht die Reihe „Martfeld Klassik“ erst einmal eine kurze Pause. Das 2. Konzert findet erst wieder am 28. Februar 2027 statt. Das Thema ist dann „Erhabenes Verehrend, Schönes Genießend, Gutes Wirkend“. Weitere Konzerte stehen für April, Mai und Juni 2027 auf dem Programm.

Ein besonderer Dank geht an die Wilhlem-Erfurt-Stiftung, die in diesem Jahr die Konzertreihe finanziell ermöglicht hat.

Die Martfeld-Klassik-Konzerte im Haus Martfeld beginnen immer um 17 Uhr, Einlass 16.30 Uhr. Eintrittskarten gibt es im Haus Martfeld, Tel. 02336 / 914437 und 914438, sowie über die E-Mail: hausmartfeld(at)schwelm.de und in der Stadtbücherei im Kulturhaus, Römerstraße 10. Außerdem könne sie auch online über EnnepeRuhr-Live.de gebucht werden. Sie kosten im Vorverkauf 18 € für Erwachsene / 13 € für Schüler/Studierende/Inhaber einer Ehrenamtskarte / 10 € Schwelm-Pass/ Juleica.

(Schwelm, den 1. Oktober 2026)

Am 4. Oktober startet die Martfeld-Klassik-Reihe mit dem ersten Konzert der neuen Saison: "Vom Zaren zum Genossen". Karten sind online und im VVK erhältlich. / Bildnachweis: Liviu Neagu-Gruber
Das Programm für alle Konzerte der Kammermusik-Reihe. Nach dem Auftakt im Oktober 2026, geht es im Febrauar 2027 wieder weiter. / Bildnachweis: Liviu Neagu-Gruber